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Geistliche Oden und Lieder / von C. F. Gellert. Mit einem dreifachen Register und dem Einmaleins
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Doch nein, du sollst sie nicht entehren, Du sollst dir stets die That verwehren;

Ist drum dein Herz schon tugendhaft? Ist Sünde nur, die That vollbringen? Sollst du nicht auch den Trieb bezwingen? Nicht auch den Wunsch der Leidenschaft?

Begierden sind es, die uns schänden, Und ohne daß wir sie vollenden,

Verletzen wir schon unsre Pflicht. Wenn du vor ihnen nicht errötheft, Nicht durch den Geist die Lüfte tödteft, So rühme dich der Keuschheit nicht.

Erfülle dich, scheinst du zu wanken, Oft mit dem mächtigen Gedanken:

Die Unschuld ist der Seele Glück. Einmal verscherzt und aufgegeben, Verläßt sie mich im ganzen Leben, Und keine Reu' bringt sie zurück.

Denk oft bei dir: der Wollust Bande Sind nicht nur dem Gewissen Schande,

Sie sind auch vor der Welt ein Spott. Und könnt ich auch in Finsternissen Den Greu'l der Wollust ihr verschließen, So sieht und findet mich doch Gott.

Die Wollust kürzt des Lebens Tage, Und Seuchen werden ihre Plage,

Da Keuschheit Heil und Leben erbt.