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Ist nicht mein Nächster oft, bei seinem kleinern Glücke, Viel würdiger als ich?
Wie könnt ich mich, o Gott, des Guten überheben, Und meines schwachen Lichts?
Was ich besitz', ist dein. Du sprichst, so bin ich Leben! Du sprichst, so bin ich nichts.
Von dir kömmt das Gedeihu und jede gute Gabe, Von dir, du höchstes Gut!
Bewahre mich, o Gott, von dem ich alles habe, Vor Stolz und Uebermuth.
46. Warnung vor der Wollust.
Der Wollust Reiz zu widerstreben, Dieß, Jugend, liebst du Glück und Leben, Laß täglich deine Weisheit sein. Entflieh der schmeichelnden Begierde; Sie raubet dir des Herzens Zierde,
Und ihre Freuden werden Pein.
Laß, ihr die Nahrung zu verwehren, Nie Speis und Trank dein Herz beschweren, Und sei ein Freund der Nüchternheit. Versage dir, dich zu besiegen, Auch öfter ein erlaubt Vergnügen, Und steure deiner Sinnlichkeit.
Laß nicht dein Auge dir gebieten, Und sei, die Wollust zu verhüten,
Stets schamhaft gegen deinen Leib.


