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Zwölf Regeln
und zerschlagenes Herz, aber auch Frendigkeit und Trost in den Wunden JEsu von GOtt sich auszubitten. Bei welchen Umständen und Bezeugen man die göttliche Wirkung bald bei sich spüren wird, nemlich Furcht vor GOtt, Traurigkeit über die Sünde, dabei man sich der Thränen nicht schämen soll.
3. Ist die Vorbereitungs- Woche mit Andacht und stillem Wesen erbaulich hingebracht, so stehe man des Samstags morgens fein frühe auf, ehe man zur Beichte gehet, man wasche sich sauber, und kleide sich, nicht in Pracht, sondern also an, daß man aus den Kleidern die Beschaffenheit des Herzens abnehmen könne. Unter dem Waschen gedenke man: ach HErr JEsu! wasche mich also von meinen Sünden; unter dem Ankleiden: ach HErr JEsu! kleide mich also mit deiner Gerechtigkeit. Hierauf fange man eine Unterredung mit GOtt an, singe einige Bußgesänge, man knie, ehe man zur Kirche gehet, vor GOtt nieder, bitte um Vergebung der Sünden, um Abwendung allerlei irdischer, eitler und sündlicher Einfälle, um eifrige und beständige Andacht.
Ist man in der Kirche angekommen, so unterhalte man sein Herz mit guten Gedanken, mit Betrachtungen der Liebe des himmlischen Vaters, der sich der Sünder erbarmet und annimmt; ebenso mit Betrachtung des Leidens JEsu, und eigne sich dessen Gefangenehmung, Geißelung, Kreuzigung und Tod in wahrem Glauben zu, unter Anrufung des heiligen Geistes, daß er das Herz selbst wolle bekehren, das angefangene Werk vollbringen, und dazu Kraft und Weisheit geben. Ist man nicht


