108.
Gebet in Kriegszeiten.
erscheinen vor dir mit betrübtem Herzen und zerschlagenem Geist, und bekennen demüthiglich, daß wir mit unsern schweren Sünden, die vor dein heiliges Angesicht kommen, nebst andern Strafen auch gegenwärtige Kriegesnoth, ja den endlichen Untergang wohl verdienet haben. Dieweil du aber keinen Gefallen hast an dem Untergange und Verderben des Gottlosen, sondern willst, daß er sich befehre und lebe, so nehmen wir in dieser großen Noth unsere Zuflucht allein zu deiner grundlosen Barmherzigkeit und bitten dich demüthiglich, du wollest uns nicht strafen in deinem Zorn noch von deinem Angesicht verwerfen, sondern mit deiner Güte und Barmherzigkeit über uns walten, und das arme Volk, welches von Jedermann geplaget wird, ansehen, sonderlich aber das unschuldige Blut, welches zu dir ruft, hören, und dich der armen kleinen Kinder erbarmen. Ach Herr, sei uns gnädig und rechne uns unsre Sünden nicht zu; sondern wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarme du dich über uns. Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande, der du die Missethat vormals vergeben haft deinem Volk und alle ihre Sünden bedecket, der du vormals hast deine Strafe aufgehoben und dich gewendet von deinem Zorn: tröste jetzt auch uns, Gott, unser Heiland, und laß ab von deiner Ungnade über uns. Willst du denn ewiglich über uns zürnen und deinen Zorn immer gehen lassen für und für? Willst du uns denn nicht wieder erquicken, daß sich dein Volk über dich freuen möge? Herr, erzeige uns deine Gnade und hilf uns! Ach, daß ich hören sollte, daß Gott der Herr redet, daß er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf daß sie nicht auf eine Thorheit gerathen! Herr Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen über das Gebet deines Volks? Wende dich doch, schaue vom Himmel, siehe drein und schilt, daß des Brennens und Reißens ein


