IX. Gebete.
129
er eilend hernieder und nimmt dich mit Freuden ein. Ach, dieß ist auch die Stimme meines Freundes, meines Jesu, die ich an diesem Morgen höre: Stehe eilend auf, ich muß heute bei dir einkehren. Ach, Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe! Deine heiligen Augen, die den Abgrund des Herzens erforschen, wissen, wie meine Seele sich freut, daß heut mein Herz dein Himmel soll werden.
Allein eines quält mich, daß du, Herr des Himmels und der Erden, eine böse Wohnung und eine Sündenhöhle, in welcher nichts Gutes wohnet, antreffen wirst. Darum falle ich an diesem Morgen mit Petro nieder, will zwar nicht, daß du solltest von mir hinausgehn oder von meinem Herzen zurückbleiben, sondern klage nur: Herr, ich bin ein sündiger Mensch. Doch was war Zachäi Haus für ein Tempel? Eine Zöllner- und Sünderhütte, ein Aufenthalt der gröbsten Sünder und doch weil sie Jesum willig annahm, wird der Segen über sie gesprochen: heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn des Menschen Sohn ist kommen zu suchen und selig zu machen, das verloren ist! Auf diese deine Gnade verlasse ich mich auch, mein gnädiger Heiland, und hoffe, du wirst gleichfalls über meine fündige Höhle ausrufen: heute widerfährt diesem Hause Heil! Ach Herr, sprich dieß Wort, so werde ich gesund, so werde ich dein Abendmahl würdig empfahen. Ach Jesu, das geschehe um aller deiner Marter und Qual willen, die du auch meiner Seligkeit zu gut erduldet haſt. Amen! Amen! Gottfried Arnold. 9


