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gläubigen Leser sich zu verschaffen; denn was uns in Kirchenliedern gefällt oder mißfällt, das hängt in der Regel an so zarten und kaum merklichen Fäden der einzelnen Seelen, daß man ein Unrecht bes geht, wenn man auf diesem Felde allgemeine Geseße erstreiten will. Vielleicht aber dürfte es zur Sache dienlich seyn, bei der hier vorliegenden Arbeit folgende Erwägungen nicht außer Acht zu lassen: 1. die Aufgabe lautete gar nicht dahin, ein neues evangelisches Gesangbuch für das Jahr 1855 zu sammeln und aufzustellen, sondern es mußte darauf ankommen, ein altes, mehr als hundertjähriges, aber seinem Hauptinhalte nach vortreffliches und in die Herzen der Bewohner eines ganzen Fürstenthums tief eingewachsenes Gesangbuch so zu erhalten, daß das Gefühl in den Gemeinden bliebe, es sey dasselbe noch vorhanden, und darum mußte Manches in dem Geleite mitgehen, was man sonst wohl abgewiesen hätte.
2. Es können bejahrte und würdige Leute in ihrer altmodigen Tracht bei uns auf- und abwandeln, und wir begrüßen sie dann vielleicht um so herzlicher. Nur eine unanständige oder lächerliche Kleidung wünschen wir von den Greisen entfernt zu sehen, welche wir lieb haben. Daraus läßt sich auf die Lieder eines alten Gesangbuchs die Anwendung leicht machen und erkennen, welche Umänderungen nothwendig zu nennen sind und welche nicht. 3. Es finden sich in den ältern Kirchenliedern häufige Beziehungen auf Begebenheiten und Personen der heiligen Geschichte und auf geheimnisvolle und tiefe Lehren unsers Glaubens. Von dem Verständnisse dieser Beziehungen sind in der That nicht wenige Genossen unserer Zeit fast ganz oder doch theilweise abgekommen, und es ist eine natürliche Folge hiervon, daß solche Richter, anstatt dergleichen Stellen auf die Umstimmung ihres inwendigen Menschen wirken zu lassen, ihr Wohlgefallen entschieden von demselben abwenden und der Meinung find, man müsse eilen, sie auf die Seite zu schaffen. Wer aber or solchen Ausstellungen und Wünschen nachgeben wollte, der würde sich an einem sehr ehrenvollen Theile der Gemeinde Gottes sschwer versündigen, und hier droht gerade den Gesangbuchs
herausgebern die größte Gefahr. dnu 9d1938 e re Glücklicherweise tritt aber bei den ersten und höchstgestellten Liederdichtern der evangelischen Kirche der Fall nur selten ein, daß viele und gewichtvolle Stimmen sich dahin vereinigen, man müsse an ihren Gesängen bedeutende Veränderungen vornehmen. Ein einziges Mal ist während der ganzen vorliegenden Arbeit ein Zweifel


