IX
Wir haben uns jedoch zu einer Umschreibung dieses Ausdrucks nicht veranlaßt gefunden, da der Leser bald verstehen wird, daß man in jener Zeit sich desselben in einer Weise bediente, wie man in unsern Tagen zur Bezeichnung der Christen das Wort ,, Pietist" gebraucht. Wir haben das gr. Wort désovrai( dexontai) in Luk. 16, 9 mit: ,, Auf daß ihr aufgenommen werdet," zu übersetzen gewagt, da der Evangelist Lukas nicht selten die dritte Person der Mehrzahl eines aktiven, anstatt eines passiven Zeitworts gebraucht, und zwar selbst dann, wenn keine Thätigkeit vorhanden ist. Wir führen hier zum Beweis mehrere Stellen an. Wir lesen in Luk. 6, 38: „ Sie werden geben;" und in demselben Verse:„ Sie werden messen;" was so viel heißt, als:„ Es wird gegeben werden," es wird gemessen werden." Die Stelle Vers 44:„ Die Feigen werden nicht von den Dornen gelesen;" oder: ,, Man sammelt nicht Feigen von den Dornen," heißt im Griechischen: Sie sammeln nicht zc." Kap. 14, 35: Sie warfen es hinaus," heißt nur:„ Es ist hinausgeworfen," oder: ,, Man wirft es hinaus," u. s. w.
Was das Gebet des Herrn betrifft, so läßt es die langjährige Gewohnheit der Christen kaum zu, irgend eine Veränderung zu treffen, ohne dabei Anstoß zu erregen. Obwohl nun allerdings nicht zu bezweifeln ist, daß in Lukas einige Sätze fehlen, so haben wir dennoch da, wo die das Wort untersuchenden Gelehrten nicht einstimmig waren, unsrer Regel gemäß, nichts verändert. Wir begnügen uns damit, an diesem Orte die nach unsrer Meinung vorzuziehende Lesart in Lukas anzuführen. Sie heißt: ,, Vater! geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; unser nötiges Brot gieb uns täglich; und vergieb uns unsre Sünden, denn auch wir vergeben jeglichem, der uns schuldig ist; und führe uns nicht in Versuchung."( Kap. 11, 2-4.) Es wird den Leser einigermaßen befremden, die in der Offenbarung verworfenen Lesarten nicht, wie bei den übrigen Büchern, verzeichnet zu finden. Infolge zweier Ursachen wurde nämlich eine große Anzahl von Fehlern in den Text früherer Ausgaben der Offenbarung eingeführt. Die erste war, daß das Buch nach einem beschädigten Manuskript gedruckt wurde, welchem sogar, wie schon bemerkt, ein Teil am Ende fehlte, so daß man sich genötigt sah, das Fehlende aus der lateinischen Uebersetzung wieder ins Griechische zu übertragen;( heute kann man dagegen 93 Manuskripte von diesem Buche, von denen drei sehr alt sind, vergleichen.) Als zweite Ur¹Jetzt auch noch das sehr alte sinaitische Manuskript.
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