II
hriften werden erforscht; und wer wollte dieses tadeln? Man will nicht nur einige, unbedingt zur Seligkeit erforderliche Wahrheiten, sondern die ganze Wahrheit und also die Gedanken und den Willen Gottes verstehen lernen, insofern es sich um Seine Ratschlüsse und Offenbarungen, sowohl in bezug auf die Welt, als auch auf die Kirche, handelt.
Der Heilige Geist selbst macht uns auf die Notwendigkeit des Verständnisses des göttlichen Willens, als auf ein Mittel unsrer Sicherheit in den letzten Tagen, aufmerksam; und die Wertschätzung der Heiligen Schriften in diesen Tagen ist ein Beweis, daß Gott verehrt wird. Auch sind die Anstrengungen des Feindes hauptsächlich wider Sein Wort gerichtet. Während nun der Gelehrte dasselbe im Urtert untersuchen kann, ist dem Nichtgelehrten und der Sprache des Urtextes Unkundigen dazu der Weg versperrt. Es war daher unser Bemühen und unser Zweck, dieſen Letzteren hülfreich die Hand zu bieten und ihnen mit wenigen Kosten eine möglichst treue und genaue Wiedergabe des Wortes Gottes in ihrer. eigenen Sprache darzureichen. Freilich wird jede Uebersetzung mehr oder weniger mangelhaft sein, und wir schätzen keineswegs unsre Arbeit so hoch, daß wir eine vollkommnere Ausführung derselben von andrer Hand in Abrede stellen. Wie groß die Schwierigkeiten sind, die Ausdrücke einer Sprache, zumal die der reichen griechischen, in eine andere zu übertragen, das werden allein diejenigen anerkennen, welche versucht haben, eine Uebersetzung in Ausführung zu bringen. Wir können jedoch mit gutem Gewissen behaupten, daß wir mit aller Sorgfalt gearbeitet haben, das Wort Gottes möglichst treu wiederzugeben, und hegen die Hoffnung, daß selbst der ungeübteſte Leſer unsre Uebersetzung einfach und verständlich finden werde. Wohl möglich, daß wir manche Stelle in ein schöneres Deutsch hätten kleiden können; allein, ohne Sklaven der Wörter zu sein, leitete uns stets der Gedanke, daß eine möglichst treue Wiedergabe des Urtertes jede andere Rücksicht überwiege, um so mehr, als wir mit vollkommener Ueberzeugung an die göttliche Eingebung der Heiligen Schrift glauben, als die Offenbarung der unendlichen Weisheit Gottes und den Ausdruck Seines gnadenreichen Charakters in Jesu Christo. Weil nun aber niemand die ganze Tragweite dieser Offenbarung zu erfassen vermag und oft in einem Satze ein das Verständnis des Uebersetzers übersteigender Sinn verborgen liegt, der in einer freien Uebersetzung verloren geht, in einer genauern hingegen durch eine tiefere Belehrung des Heiligen Geistes gefunden werden könnte, so ist es eine gebieterische Notwendigkeit,


