Vorwort zur ersten Auflage.
Um es dem Leser zu ermöglichen, diese neue Uebersetzung mit größerem Nutzen gebrauchen zu können, ist es notwendig, sowohl über den Zweck, den wir uns dabei vorgesetzt haben, als auch über die angewandten Mittel, denselben zu erreichen, sowie endlich über verschiedene Einzelheiten etliche Andeutungen zu geben.
Durch die Herausgabe einer neuen Uebersetzung giebt man zu verstehen, daß man mit feiner der vorhandenen völlig zufrieden ist. Wir sind weit entfernt, die Mängel der Arbeiten Anderer aufsuchen und lieblos richten zu wollen; jedoch beweisen die wiederholten Anführungen des Urtertes verschiedener Bibelstellen auf den Kanzeln, sowie die Verbesserungen der lutherischen Uebersetzung, sowie endlich die in den letzten Jahren erschienenen neuen Uebersetzungen auf das Klarste das Bedürfnis unsrer Zeit.
Als Gott zu Anfang des 16. Jahrhunderts Sein Licht vor den Augen der in tiefe Finsternis versunkenen Welt hervorbrechen ließ, ward besonders Martin Luther von Ihm als Werkzeug ausersehen, die Wahrheit in Deutschland zu verbreiten. Dieser trene, glaubensstarke Arbeiter übersetzte zur Förderung des Werkes, welches Gott ihm anvertraut hatte, schon bald nach seinem ersten öffentlichen Auftreten die Heilige Schrift in die Sprache seines Volkes. Hierin folgten ihm andere Männer in verschiedenen Ländern nach, von denen etliche das Ziel ihres heiligen Eifers sogar um den Preis ihres Lebens erringen mußten. Es sei ferne von uns, die Mühe und die Arbeit der Liebe dieser gesegneten Werkzeuge des Herrn gering zu achten; wahrlich, Gott selbst hat sie nicht gering geachtet, und viele Länder genießen seit mehr als drei Jahrhunderten die Frucht ihrer Mühe. Allein die Bedürfnisse unsrer Zeit sind andere geworden. Während die Wirksamkeit des Heiligen Geistes vor dreihundert Jahren dahin ging, die Fundamente der durch eine unzählige Menge menschlicher Satzungen und Ueberlieferungen verhüllten Wahrheit wieder aufzudecken und für dieses Werk die Uebersetzung von Luther als ein unschätzbares Mittel segnete, ist Er in der Jetztzeit thätig, andern Bedürfnissen zu entsprechen. In unsern Tagen geht man weiter, als ehemals. Alles wird untersucht, die


