nem Gebethe zu halten und zu erwarten? Heißt das nicht Gottes spotten?
Wenn du berhen willst, so denke wohl dars an, was du thust. Laß alle andere Gedanken fahren, und richte dein ganzes Gemüth auf Gott, in dessen Gegenwart du stehest. Du mußt wohl wissen, ob das auch wahr ist, was du sageft, und ob du auch beständig dabey bleis ben, und dich darnach richten wolleft. Denn das wäre wohl Frevel, dem allwissenden Gott, nur so ein leeres Compliment machen zu wollen. Er kennet dein Herz, und es kommt alles dars auf an, wie er das findet.
Frage dich also öfters selbst: ,, Geht das auch mich an? kann ich das auch mit Wahrs heit von mir sagen? Wie will ich das in Auss übung bringen, und mir zu Turgen machen? wie will ich mich damit beruhigen und tróften? Nur nicht flichtig durchgeeilet! Besser eine Zeile recht verstanden, durchgedacht und erwos gen, als das ganze Gebethbuch ohne Nachdenken und Empfindung hergelesen.
Findest du etwas, das dich besonders trifft und rührt, so bleibe daben stehen, als wenn fonst nichts im Buche- als wenn es ganz für dich allein da stünde. Denke dir selbst hinzu, was nur dich allein angeht, was nur du am besten weißt. Laß dein Herz vor Gott reden.
Gott


