weil man selten weiß und überlegt, was man hersagt, und andern nachbethet. So gehts ges meiniglich mit dem lieben Vater unser, das so oft gesprochen und so wenig verstanden und bes herzigt wird! Mancher liest ein Gebeth her, das gar nicht für ihn gemacht ist, und auf seis nen Zustand gar nicht paßt. Wie kann da das Herz einigen Antheil daran nehmen?
Oft bittet man Gott um etwas, das man gar nicht verlangt; oder man ist selber Schuld daran, daß es Gott nicht geben kann, z. B. wenn ein unordentlich fortlebender Mensch Gott um Glück und Segen, um Gesundheit und lans ges Leben bittet; oder wenn ein anderer, der wissentlich Böses thut und darin beharrt, Gott die schönsten Betheurungen vorsagt, um Stårs ke zur Tugend um Vergebung seiner Sünden, um ein seliges Ende, um den Himmel bittet.
Wie kann es jemand mit seinem Anbethen, seinem Bitten und Danken Ernst fenn, wenn er fast nie an Gott denkt, seinen Willen nicht thut, die Mittel nicht braucht, die ihm Gott ans biethet, sich selbst zu helfen und glücklich zu mas chen; wenn er unzufrieden ist, sogleich murret und zaget, so bald es nicht nach seinem Wunsch und Willen geht. Oder wenn er im allgemeis nen Gebeth für seine Mitmenschen bittet, und doch dabey rachgieris, schadenfroh, feindselig, undienstfertig, dem Neid oder der Verleum dungssucht ergeben iſt. Was ist von so eis
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