Druckschrift 
Vollständiges Christkatholisches Gebethbuch / von Michael Hauber, Königl. Bayerischen Hofprediger und Hofkaplan. Mit Bewilligung des Fürstbischöfl. Ordinariats zu Wien, d. Fürstbischöfl. Seckauer Ordinariats zu Grätz usw. [d. bayer. Bistümer]
Entstehung
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an den frommen Bether.

Wohlthun; Du kommst so oft unsern Wünschen mit Liebe zuvor, und thust uns unzählig viel Gutes, ohne daß wir's erkennen und erbitten; Du weißt, was ich will, ehe ich Dir's sage; und ehe ich Dich anrufe, ist mir schon Hülfe bereit, wenn es nur an mir selbst nicht fehlt. Also bloß zu unserm Besten willst Du angebethet seyn, damit wir ein kindliches Herz zu Dir bekommen, Dir immer fester anhängen, und Deiner nie vergessen sollen. Durch mein Gebeth le­ge ich das tägliche Bekenntniß ab, daß ich alles Gu­te Dir zu verdanken, von Dir zu erwarten habe. Sollte ich einen so guten Gott und Vater nicht über Alles lieben, Ihm nicht willig gehorchen, mich Ihm nicht mit vollem Zutrauen ergeben?- Soll­ten meine guten Vorsätze, die ich vor deinen Augen gefaßt habe, nicht dadurch mehr Dauer und Festig­Feit erhalten? Je öfter ich mich mit Dir, dem Besten und Heiligsten, unterhalte, um so besser und heiliger muß auch ich selbst dadurch werden. Je tie­fer ich im Gebethe das Andenken an deine Gegen­wart meinem Herzen einpräge; um so weniger wer­de ich zur Stunde der Versuchung Deiner vergessen. Du siehst, stärkest, belohnest mich.

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IX

Ich nenne Dich im Gebethe meinen Vater im Himmel. Es muß also dort meine wahre Hei­math, mein wahres Vaterland seyn; dieses Leben ist mir eine Reise, eine Vorbereitung zu jenem Himmi­lischen. Wenn ich das bedenke, so kommt mir alles Zeitliche ganz anders vor, so daß ich mich über nichts mehr ausschweifend erfreuen, noch kleinmüthig be­trüben, noch etwas zu ängstlich verlangen, oder be­fürchten mag. Ich erhebe mich über die Kleinigkei­ten dieser Erde, und strebe nach meinem höhern Zie­le- zu Dir hinauf. Wenn ich in meinem Gebethe das Gute, das ich besiße und erlange, als deine Ga­be, und als Mittel zum Wohlthun betrachte, so ler­ne ich es erst recht schäßzen, gut anwenden, und dank­bar froh genießen. So werde ich im Wohlstande nie leichtsinnig und übermüthig werden. Und wie