an den frommen Bether.
Wohlthun; Du kommst so oft unsern Wünschen mit Liebe zuvor, und thust uns unzählig viel Gutes, ohne daß wir's erkennen und erbitten; Du weißt, was ich will, ehe ich Dir's sage; und ehe ich Dich anrufe, ist mir schon Hülfe bereit, wenn es nur an mir selbst nicht fehlt. Also bloß zu unserm Besten willst Du angebethet seyn, damit wir ein kindliches Herz zu Dir bekommen, Dir immer fester anhängen, und Deiner nie vergessen sollen. Durch mein Gebeth lege ich das tägliche Bekenntniß ab, daß ich alles Gute Dir zu verdanken, von Dir zu erwarten habe. Sollte ich einen so guten Gott und Vater nicht über Alles lieben, Ihm nicht willig gehorchen, mich Ihm nicht mit vollem Zutrauen ergeben?- Sollten meine guten Vorsätze, die ich vor deinen Augen gefaßt habe, nicht dadurch mehr Dauer und FestigFeit erhalten? Je öfter ich mich mit Dir, dem Besten und Heiligsten, unterhalte, um so besser und heiliger muß auch ich selbst dadurch werden. Je tiefer ich im Gebethe das Andenken an deine Gegenwart meinem Herzen einpräge; um so weniger werde ich zur Stunde der Versuchung Deiner vergessen. Du siehst, stärkest, belohnest mich.
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IX
Ich nenne Dich im Gebethe meinen Vater im Himmel. Es muß also dort meine wahre Heimath, mein wahres Vaterland seyn; dieses Leben ist mir eine Reise, eine Vorbereitung zu jenem Himmilischen. Wenn ich das bedenke, so kommt mir alles Zeitliche ganz anders vor, so daß ich mich über nichts mehr ausschweifend erfreuen, noch kleinmüthig betrüben, noch etwas zu ängstlich verlangen, oder befürchten mag. Ich erhebe mich über die Kleinigkeiten dieser Erde, und strebe nach meinem höhern Ziele- zu Dir hinauf. Wenn ich in meinem Gebethe das Gute, das ich besiße und erlange, als deine Gabe, und als Mittel zum Wohlthun betrachte, so lerne ich es erst recht schäßzen, gut anwenden, und dankbar froh genießen. So werde ich im Wohlstande nie leichtsinnig und übermüthig werden. Und wie


