an den frommen Bether.
Liebe bezeugen können?- Habe ich Dir denn nicht zu danken? nichts abzubitten? nichts von Dir z Hoffen? Habe ich Dir kein Anliegen vorzutragen keinen Trost ben Dir zu suchen?
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VI
O Gott! wie muß ich mich schämen, daß ich so wenig Lust am Bethen habe; daß ich oft nur aus 3wang, aus Gewohnheit dem Scheine nach bethe, aber mit den Gedanken ganz anderswo bin, und selbst nicht weiß, was ich sage; oder Dir meine Gebethe gleichsam vorzähle, und mehr darauf sehe, wie viel, als wie gut ich gebethet habe.
Ach! ich erkenne und liebe Dich eben noch allzuwenig, mein himmlischer Vater! Deiner täglichen Wohlthaten bin ich schon gewohnt, die größten Gnaden, die wahren Güter, die Du mir bereitest, weiß ich nicht genug zu schätzen, und fühle auch nicht viel Verlangen darnach; was mir das Angenehmste seyn soll, ist es mir oft am wenigsten; es dringt immer nur das Zeitliche, das Gegenwärtige vor. Darum wird es meinem Herzen so schwer, sich von der Erde zegen den Himmel, vom Sichtbaren zu dem Unsichtaren zu erheben: darum hat es so wenig Eifer zum Bebethe, so wenig Andacht daben.
Wann werde ich doch einmahl diese Trägheit berwinden! Mit deinem Beystande, o Gott! ird es mir gelingen, wenn ich Dich mir allzeit als egenwärtig vorstelle, und wohl bedenke, was
thue, wenn ich bethe; mit wem ich rede: ie groß, wie gut, wie heilig Du bist. ieß wird mich mit Ehrfurcht, Zutrauen und Liebe üllen, und vor dem Frevel bewahren, Dir etwas
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