VI
Vorwort
Gebeth,
als Anweisung, wie man bethen soll.
Ueberall bist Du bey mir, mein Gott! zu jeder Stunde gibst Du mir, Gehör. Auch außer der Kirche, mitten in meinen Geschäften, zu Hause und auf frenem Felde, wenn ich meine Wege gehe, oder mich) zur Ruhe lege; wenn ich zu Zische sitze, oder davon aufstehe; wenn ich zu Nachts oder Morgens erwache; wenn ich allein, oder bey Andern bin; in fröhlichen oder traurigen Stunden kann ich meine Gedan= ken zu Dir erheben. Alles, ja Alles kann und soll mich an Dich erinnern, zum Lob und Dank, und Vertrauen gegen Dich ermuntern. Wenn ich etwas anfange, so sey mein erster Gedanke, ob es vor Dir auch recht und gut ist; und dann gehe ich mit Muth daran, im Vertrauen auf deinen Beystand und Segen. Ist es vollendet, so sey's Dir gedankt und heimgestellt. Gehet es mir wohl, so preise ich Dich dafür, und freue mich Deiner. Stehet mir Gefahr und Noth bevor: warum soll ich zagen? Du, Gott mein Vater! bist ben mir.
Du verlangst keine langen Gebethe, weil mein schwacher Geist bald ermattet und zerstreuet wird. Du willst nicht einmahl, daß ich viele Worte brauchen soll. Desto öfter und inniger aber soll sich mein Herz zu Dir erheben, und in kindlicher Einfalt mit Dir reden. Ich darf nicht erst auf Worte finnen, sondern darf mit Dir reden, wie ein Kind mit seinem Vater, wie ein Freund mit dem andern. Und das sollte mir schwer ankommen? Dir, mein bester Bater, Wohlthäter und Freund! sollte ich nichts zu sagen wissen? Dir nicht meine Hochschätzung und


