Druckschrift 
M. Johann Friedrich Heinrich Cramer's weil. Stadtpredigers in Dresden Beicht- und Communion-Buch / nach der 15. Aufl. verbessert und zum Theil umgearbeitet von M. Gottfried Erdmann Petri, Kirchen- und Schulrathe bei der Kgl. Sächs. Oberamts- Regierung zu Budissin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

werde; wohl mir, denn, nun ich bin gerecht worden, habe ich Friede mit Gott."

Das Abendmahl erweckt uns auch zur Gottes und Menschenliebe. Wahre Gots tes- und Menschenliebe sind die schönsten Früch te des Glaubens, sie sind die sichersten Kenns zeichen der christlichen Zugend. Nirgends fins den wir aber zur Gottes und Menschenliebe so viel Ermunterung, als bei der Feier des Abendmahls, und es heißt eben deswegen mit Recht ein Liebesmahl. Kannst du wohl, lieber Mitchrist, zum Abendmahl gehen, ohne an Gottes grånzenlose Liebe zu denken, der mehr als ein Vater that, um dich glückselig zu machen, der seinen Sohn bis zum schmach­vollen Tode am Kreuze erniedrigte, um dich zu erlösen? Solltest du, wenn du über das alles nachdenkst, nicht ausrufen: O! welch eine Liebe hat mir der Vater erzeigt! Kannst du zum Abendmahl kommen, ohne die Liebe Jesu zu bewundern, die stärker als der Tod war, die keine Leiden, keine Beschwerden, keinen Undank scheuete, die mehr für dich that, als der treueste Bruder, der redlichste Freund thun konnte? Sollte dieses Nachdenken über die Liebe Gottes und Jesu dich nicht zur in­nigsten Gegenliebe ermuntern? Sollte nicht der Entschluß dich beleben: Gott hat mich erst geliebet, ich will ihn wieder lieben?*) Ich will ihm willig und freudig gehorchen, ich

*) 1. Joh. 4, 19.

11