5
FECE
Heerschaaren, vor dessen Angesicht ich stehe." Darin liegt schon enthalten, daß wir unsern Geist und unser Herz von allen zeitlichen Dingen und irdischen Angelegenheiten losreißen; da wir ja auch lebhaft überzeugt sind, daß Gott der Herr, mit dem man sich im Gebete unterhalten will, das Innerste unseres Herzens durchschaut und der untrügliche Zeuge unserer Gedanken und Anmuthungen, wie der Reinheit und Aufrichtigkeit derselben ist. Bei einer solchen Geistessammlung ist nothwendig eine solche Stellung und Haltung des Körpers erfo forderlich, welche Ehrfurcht ausdrückt und zu derselben erweckt. Das Knieen ist dabei eine sehr passende Stellung. Unser göttlicher Heiland fiel ja auch auf sein Angesicht nieder, da er im Delgar ten zu seinem himmlischen Vater betete. Diesem schönen Beispiele seines Erlöfers folgend, soll denn der Christ seine Gebete so viel als möglich knieend, oder wenigstens mit größter äußerer Ehrerbietung vornehmen.
Das Gebet selbst muß mit allen christlichen Tugenden, hauptsächlich mit einem demüthigen Herzen und mit kindlichem Vertrauen begleitet sein. Der übermüthige Pharisäer geht selbst als größerer Sünder aus dem Tempel, indessen der Zöllner durch seine Demuth daselbst Gnade und Rechtfertigung findet. Da wir beim Gebete vor dem allerheiligsten Gott stehen, wie sehr müssen wir uns dann vor thm demüthigen und erniedrigen? Mit Abraham müssen wir dann sprechen und fühlen: ,, Ich will mit meinem Herrn sprechen, obschon ich nur Stau


