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beten, geduldig die Leiden der Krankheit von Gott annehmen und wünschen, ihm von Herzen zu dienen. Ihr ganzes ergebenes Benehmen und frommes Dulden ist dann ein fortwährendes sehr schönes Gebet.
Bei der Arbeit können wir ebenfalls innerlich zu Gott beten, wenn wir unser Gemüth zu Gott erheben und wünschen, er möge unsere Arbeit segnen, mit seiner Gnade uns beistehen, damit wir Nichts thun, was ihn beleidigen könnte; wenn wir die Beschwerden des Standes mit dem Wunsche ertragen, uns mittelst derselben mit den Leiden Jesu Christi zu vereinigen. Durch eine gute Meinung heiligen wir überhaupt unser ganzes Thun und Lassen, machen unser ganzes Leben zu einem immerwährenden, Gott sehr wohlgefälligen Gebet.
Das mündliche Gebet geschieht durch Aussprechung der Worte, welche man an Gott richtet, z. B. man spricht das Gebet des Herrn oder andere Gebetsformeln. Bei diesem Gebete ist es aber gar nicht genug, daß man nur mit dem Munde die Gebetsworte ausspricht, ohne daß der Geist darüber nachdenkt, das Herz damit sich beschäftigt. Ein solches Gebet ist ein eitles Lippenwerk, mehr Beleidigung als Verehrung Gottes. Gefeßt, wir hätten einen Prozeß und müßten über mancherlei Sachen unseren König als vornehmsten Richter um Rath fragen: würden wir dann zu ihm hingehen, ihm schnell einige Worte hinsagen, ohne uns darum weiter zu bekümmern, ob er diese gehört oder verstanden habe? Können und dürfen wir wohl glauben, daß er nach
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