Erklärung der heil. Messe.
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sten mit dem unreinen Herzen, mit Kaltsinn und 3erstreuung zu stehen. Er bedenke, daß die Engel, diese reinen Geister, ihr Angesicht verhüllen vor der Herrlichkeit und Majestät Gottes; welche Demuth, welche heilige Ehrfurcht ziemt also nicht dem Menschen im Bewußtseyn seiner Vergehungen und Sünden. Wie könnte, da Gott den poffärtigen widersteht, ein solcher Gnade von Ihm hoffen, wie jener Verzeihung seiner Sünden, der sich vermißt, seinen allerhöchsten Gott in's Angesicht, so zu sagen, zu beleidigen?
Da denn das heilige Meßopfer das allerhöchste Opfer ist, das es je gegeben hat, da es den Gläubigen, welche demselben mit der erforderlichen Undacht beiwohnen, einen so reichen Schaß von Verdiensten, Gnaden und Segnungen aufschließet; wer sollte demnach, wenn es ihm anders sein Heil zu wirken Ernst ist, versäumen, demselben so oft als möglich benzuwohnen. Da es uwidersprechlich ist, daß wir nichts sind und nichts vermögen ohne die Gnade, so ist es auch unsere Pflicht, um Gnade zu bitten. Wann könnte dies aber zweckmäßiger, eifriger und erfolgreicher geschehen als in dem Opfer der heiligen Messe. Was könnte den himmlischen Vater mehr bewegen, sich unser zu erbarmen, als jenes unendliche Opfer, in welchem sein eingeborner Sohn sich selbst ihm opfert. Alle bedürfen der Gnade; es wäre vermessener Undank, aus Lauheit und Trägheit auf den Untheil der Gnaden Verzicht leisten zu wollen, der allen, welche mit Undacht derselben beywohnen, in der heiligen Messe angebothen wird. Schäße, ich bitte dich um deines Heiles willen, die heilige Messe hoch, und wohne derselben, wenn es anders möglich ist, täglich mit Undacht bey.
So oft du einen Priester an den Altar treten siehst, oder ihn schon daselbst findest, so sprich:» Ich empfehle mich und schließe mich ein in diese heilige Messe; ich will derselben mit Undacht beywohnen und mit dem Priester mitbethen. Siehst du, daß bey einer Messe die Wand


