18
Erklärung der heil. Messe.
bey diesem hohen Opfer gegenwärtig sind, zum himmlischen Bater. Und aus so vielen Wunden Jesus am Kreuze blutete, so viele Stimmen riefen damahls und rufen nun bey jeder heiligen Messe um Gnade, um Verzeihung und Speil für die Menschen; läßt es sich aber auch nur denken, daß der himmlische Bater solch inständigen unablässigen Bitten etwas versagen könne, woferne dieses anders zum ewigen Heile ist? Gewiß nicht. Endlich bethest du selbst für dich, und es wird der gütigste Gott dir gewiß keine Bitte verfagen, deren Gewährung dir heilsam ist.
Ist es dir um eine aufrichtige Buße und wahre Lebensbesserung ernstlich zu thun, fehlt dir aber der Muth, die Bande der Sünde zu brechen, fühlst du dich lau in der Liebe zu Gott, ohne welche es keine innige Reue geben kann, so wohne mit bußfertiger Gesinnung der heiligen Messe bey, dadurch kannst du am sichersten die Gnade einer wahren Erkenntniß deines Seelenzustandes, einer innigen Herzenszerknirschung und vollkommenen Reue erlangen. In dieser kannst du wahre Besserung und standhafte Beharrung in selber erbitten; nur mußt du auch deiner Seite ja nichts unterlassen, was in deinen Kräften steht, da die göttliche Gnade wohl das menschliche Unvermögen nicht aber fträfliche Lauigkeit unterstüzet.
Nichts Menschliches wird in der heiligen Messe auf geopfert; Ulles ist göttlich, denn es werden aufgeopfert das wahrhafte, lebendige Fleisch und Blut, das Leiden und die Verdienste, ja selbst die Gottheit und Menschheit Jesu Christi, des eingebornen Sohnes Gottes. Alles das ist auf dem Altare gegenwärtig; jeder Unwesende hat Theil daran. Denn aus keiner andern Ursache hat Christus so viel ge than, so viel gelitten, als um dem hülfsbedürftigen Menfchengeschlechte Gnade und Verzeihung zu erwerben.
Aber der Christ muß im Geifte der Buße mit gläubiger Demuth und heiliger Andacht bey diesem Opfer erscheinen. Er bedenke, was es heiße, in der Gegenwart Gottes sich befinden, und hüthe sich vor dem Allerheilig


