20
Erklärung der heil. Messe.
lung schon bald vorgenommen wird, so entferne dich nicht, sondern erwarte dieselbe, bethe während dieser Jesum Chris stum unter den Gestalten des Brotes und Weines an, und opfere ihn dem himmlischen Vater; dadurch erlangst du auch Untheil an dieser heiligen Messe.
Um aber auf eine segenreiche, verdienstliche Weise bie heilige Messe zu hören, darfst du, o christliche Seele, während derselben nicht jede beliebigen, oft ganz unpas senden Gebethe bethen; sondern du sollst solche, wählen, in welchen du Jesum Christum, den auf dem Ultare ge genwärtigen Gott, anbetheft, geistlicher Weise empfangest, und überhaupt so viel wie möglich in jenem Einne, in jener Meinung, wie der Priester am Altare bethet. Für kein anderes Gebeth sollst du eine so große Vorliebe hegen, daß du um dessentwillen jene zwei Hauptpuncte unterlasfest. Denn gewiß wird dein Herz mehr Trost und Heil erfahren, wenn du es bey der Wandlung in inbrünstiger Anbethung und Liebe zu den für dich Gekreuzigten ergies Best, als wenn du statt dessen Psalmen oder Tagzeiten bethen würdest.
Diejenigen Christen, welche während der heiligen Messe auch wirklich nur Meßgebethe bethen, thun sehr wohl daran, und werden gewiß den größten Nußen aus dem Anhören der heiligen Messe schöpfen. Diejenigen aber, welche ohne Noth während der heiligen Messe sich ganz anderer Gebethe bedienen, würden unklug handeln. Daher kömmt es auch, daß solche Christen bey weitem nicht in Unhörung der heiligen Messe diese Undacht und diese frommen Empfindungen der Liebe, des Trostes und des Vertrauens fühlen, und auch nicht die ganze Fülle der Gnaden erfahren.
Um alle Vorzüge der andächtigen Beywohnung des heiligen Meßopfers vor den übrigen Andachtsübungen kurz anzudeuten, werde nur noch bemerkt, daß man wirklich Gott durch keine Uebung der Undacht einen gröBeren Dienst, eine größere Ehre, und einen größeren


