Erklärung der heil. Messe.
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Vernachlässigungen, seine Lauigkeit und Saumseligkeit im göttlichen Dienste wieder gut zu machen, hätte ihm nicht die Güte des göttlichen Heilandes den Schaß seiner eigenen Verdienste, seinen Mangel zu erstatten, dargebothen; und es ist unstreitig, daß wir durch eine andächtige Beywohnung des heiligen Mesopfers dieser Verdienste theilhaft werden, obwohl wir dadurch der Pflicht keineswegs entbunden werden, selbst alles, was in unseren Kräften steht, zu thun, und unsern Gottesdienst mit dem unendlichen Opfer, welches der göttliche Sohn seinem ewigen Vater opfert, zu vereinigen; denn alles, was Jesus in der heiligen Messe verdienstliches thut, thut er wirklich für uns, er schenket uns seine Verdienste, wenn wir uns derselben durch eine fromme Meinung und andächtige Beywohnung dieses hohen Opfers theilhaftig machen.
Ferner heißt es in der heiligen Schrift von Chris sto: Ich und der Vater sind eins. Christus ist also das vollkommenste Ebenbild, ein makelloser Spiegel, in wel chem sich der himmlische Vater selbst sieht, und mit unendlichem Wohlgefallen seine ewige Schönheit, Herrlich keit, Glorie, Macht und Größe betrachtet. Dies ist aber die wahre und wesentliche Eeligkeit Gottes, und kein Engel, kein Heiliger vermag Gott eine größere Freude zu schaffen, als diese ist, welche er aus der Betrachtung seiz ner Selbst schöpfet. In der heiligen Messe nun opfert sich Jesus seinem himmlischen Vater auf, er stellet sich ihm dar; in seinem eingebornen Sohne sieht der himmlische Vater sich selbst, in dem Geheimnisse der Liebe unseres Heilandes erblickt er seine eigene, ewig unendliche Liebe, welch ein unendliches Wohlgefallen wird also nicht der himmlische Vater an dem Opfer der heiligen Messe empfinden.
In jeder heiligen Messe wird das Leiden Jesu Christi erneuert, und dem himmlischen Vater vorgestellt, welcher an dieser Darstellung kein minderes Wohlgefallen als damahls empfindet, wo es blutiger Weise einst vor sich


