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Weltlicher Leute Meßgebethbuch von 52 heil. Messen mit sehr kräftigen, andächtigen und herzlichen Meßgebethen auf alle Sonn- und Feyertage [...] : nebst beygefügten heilsamen Morgen-, Abend-, Beicht-, Communion- und Ablaßgebethen / durch Caspar Erhard, [...] vormahliger Pfarrer zu Paar in Bayern, [....] verbessert und vermehrt
Entstehung
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Erklärung der heil. Messe.

alle Verdienste der Heiligen. Ja, wenn man alle Buß­werke, Tugenden und Verdienste der Heiligen der göttli­chen Majestät aufopferte, so würde dieselbe an allem die­sem kein so großes Wohlgefallen, als an einer einzigen heiligen Messe haben.

In jeder heiligen Messe kömmt Jesus Christus auf das Gebeth des Priesters vom Himmel herab, und ver­wandelt die Hostie in seinen wahren, lebendigen und aller­heiligsten Leib. Was der Priester vor der Wandlung in den Händen hat, ist nur Brot; nach der Wandlung hört es aber auf Brot zu sein, nur die Gestalt, der Geschmack des Brotes bleibt, in der Wesenheit aber ist es der lebendige Leib Jesu Christi. Sobald nun Christus gegen: wärtig ist, lobet, liebet, ehret, danket, erfreuet und versöhnet er seinen Vater, und erweiset ihm ein unendliches Wohlgefallen; indem es eben seine heiligste Absicht ist, durch dieses hochheiligste Opfer seinen himmlischen Bater nach Würdigkeit zu loben und zu ehren. Damit wir, da es außer der heiligen Messe nichts gibt, wodurch Gott würdig geehret werden könne, nun ein würdiges Mittel, unseren höchsten Herrn zu verehren, und zu verherrlichen hätten, so hat Christus das Opfer der heiligen Messe eingeseget; so wie auch er seinem himmlischen Vater, was durch unsere Mängel und unvollkommenheiten in ſei­nem heiligen Dienste versäumet wird, durch sein heilig­ftes Lob, durch seine Liebe und Verehrung in dem heiligen Mesopfer erstattet.

Die Verpflichtung des Menschen, Gott zu lieben zu loben, und Ihm zu dienen, ist unendlich, und dauert unser ganzes Leben hindurch fort. Uber der Mensch ver­nachlässiget leider nur zu oft dieselbe; diese Vernachlässi gungen aber aus eigenen Kräften durch einen größern Eifer, Gott zu dienen, zu ersehen, ist der Mensch darum nicht im Stande, weil er ohnehin schon in jedem Augen­blicke Gott auf alle nur mögliche Weise zu dienen verbun­den ist. Der Mensch würde also kein Mittel haben, seine