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Erklärung der heil. Meffe.
ging, und er läßt sich durch selbe auf ein Neues bewegen, der Welt seine Barmherzigkeit angedeihen zu lassen.
Da nun die heilige Messe eine Erneuerung des Lei dens Jesu Christi ist, so muß auch in derselben das Nähme liche geschehen, was sich einst auf dem Kalvarienberge zu getragen hat. Christus hat am Kreuze für seine Feinde gebethet; auf dem Altare bittet er für alle Gläubigen, bes sonders für die, welche der Messe beywohnen Er weis
set dem himmlischen Bater seine Wunden, die er unfertwegen empfangen, er stellt ihm die Schmerzen vor, die er unfertwegen gelitten, er opfert ihm auch sein heiligstes Blut mit der Bitte, er wolle sich um desselben willen unser, die wir Sünder sind, erbarmen. So wie Jesu Blut am Kalvarienberge vom Stamme des heiligen Kreuzes unsers Heils wegen floß, so fließet es auch im Opfer der heiligen Messe, zwar geistiger Weise, aber eben so heilbringend, und überströmet die Seelen aller Unwesenden, und reinigt jene, die darunter eines reue- und bußfertigen Gemüthes sind, von den Flecken ihrer Missethaten. Die unendlichen Verdienste, welche uns Jesus Christus am Kreuze erworben hat, die theilet er nun nach seiner Erbarmung in dem heiligen Mesopfer jeden, der dasfelbe höret, nach Maßgabe seiner Andacht, Erbauung und Bußfertigkeit mit.
Wenn der Christ dem heiligen Mesopfer im Stande der heiligmachenden Gnade, also ohne eine schwere Sünde auf sich zu haben, beywohnt, so darf er zuversichtlich hoffen, daß Jesus seinen himmlischen Vater für ihn bitte, daß er für ihn fürspreche, seine Verschuldung zum Theil wenigstens tilge, seine Seele mit seinem kostbaren Blute besprenge, reinige, mit Gnaden bereichere.
Sieraus läßt sich schließen, wie viel verdienstlicher es sey, unter der heiligen Messe, als zu sonst einer Zeit, zu bethen. Wenn man zu Hause oder überhaupt außer der heiligen Messe bethet, so erwirbt man sich nur so viel Verdienst, als das verrichtete Gebeth Werth vor Gott


