330 Am Feste einer Jungfrau, die teine Martyrin ist.
mit Schmerzen würde verlassen müssen; Jesus aber, den du geliebt hast, wird ein ewiges Reich besitzen, und der Tod kann mir seine Liebe nicht aus dem Herzen reißen. Ein sterblicher Mensch kann meine Liebe nicht belohnen, als etwa durch eine kurze und fruchtlose Ge genliebe, Jesus aber wird mich zur Miterbin seines Reiches einsetzen. Die weltliche Liebe wird durch Kreuz und Leiden geschwächt, und ihre Süßigkeit wird in Bitterkeit verwandelt; die Liebe Jesu aber wird durch Leiden geprüft, durch Drangsale geläutert, durch Noth und Widerwärtigkeiten gestärkt, durch die Geduld versichert und durch die Marter gekrönt.
Laß mich, o Freundin Jesu, durch deine Fürbitte meinen Erlöser lieben, wie du ihn geliebt hast, laß mich Leib und Leben ihm opfern, und ihn weder im Leben noch im Tode verlassen!
Am fefte einer Jungfrau, die keine Martyrin ift.
IS
eilige Jungfrau! wenn ich bedenke, daß du Jesum so innig geliebt, und gleichwohl dein Blut für ihn nicht vergessen hast, so glaube ich, daß dir die Gelegenheit, und nicht der Wille zur Marter gefehlet hat. Auch die Mutter des Herrn, die an Liebe alle Geschöpfe übertroffen hat, ist ohne Marter gestorben. Ein gekreuzigtes Leben, wie du es geführt hast, ist eine größere und länger dauernde Marter, als jene, welche das Leben mit der Vergießung des Blutes endiget.
Aus Liebe zu Gott hast du deinen zarten, schuldlosen Leib gekreuziget, deinen Sinnen gefährliche Weltfreuden verfaget, und unordentliche Gemüthsregungen


