Von dem Berufe
Diese müssen, um ihren Beruf sicherer zu erkennen, die oben angegebenen Mittel anwenden: das heilige Gebet, die Reinigkeit des Herzens, die Einsamkeit, und vorzüglich eine reumüthige, findliche Beicht, und den öftern Gebrauch der heiligen Sakramente. Und wenn alsdann die vorige Neigung und Liebe zum jungfräulichen Stande wieder erwacht, oder wenn die innerliche Einsprechung, die sie nicht anhören wollten, noch stärker sich zu erkennen gibt, so sollen sie des göttlichen Willens oder Berufes der ewigen Keuschheit versichert seyn.
Diejenigen aber, welche durch das Gelübde der chheit in der Welt oder in einem Kloster schon wirklich mit Christo verbunden sind, und wegen ihres ausgelassenen oder kaltsinnigen Wandels von dem Geiste der Andacht verlassen sich einbilden, daß sie zu diesem Stande nicht berufen sind,- sollen den erloschenen Effer wieder zu erwecken suchen, und versichert seyn, daß die vorigen Freuden des Geistes nicht ausbleiben werden, wenn sie sich bemühen, sinnliche Lüste durch tägliche Selbstbeherrschung verachten zu lernen.
Eine Jungfrau aber, welche die besten Jahre in der Eitelkeit der Welt zugebracht, und vergebens in den Stand der Ehe zu treten gesucht hat, nun aber aus Erkenntniß der ungetreuen Welt die noch übrige Zeit ihres Lebens im Dienste Gottes anzuwenden besondere Neigung fühlet, soll deßwegen nicht meinen, daß ihr spätes Opfer Christo dem Herrn nicht gefalle. Sie kann die in der Eitelkeit verlebte Jugend durch einen desto größern Eifer ersetzen, je mehr sie die Nichtigkeit. der weltlichen Freuden erkennt.
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Auch diejenigen, welche aus menschlicher Schwachheit gefallen sind, sollen den Muth nicht verlieren, und bedenken, daß sie mit der büßenden Magdalena die Füße des Herrn mit ihren Thränen beneßen, und durch eine demüthige Keuschheit Christo dienen können, wofern sie zu diesem Stande Neigung und Liebe verspüren.


