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Maria, meine Zuflucht und mein Trost! : ein vollständiges Lehr- und Gebetbuch für Verehrer der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria ... und im Anhang den Monat Mariä [Mai] enthaltend / gesammelt von Michael Sintzel
Entstehung
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Von den Tugenden

Die Demüthigen halten sich zurückgezogen und wählen dert letzten Platz. Der heil. Bernard macht die Bemerkung, daß, als Jesus, wie der Evangelist Matthäus erzählt, in einem Hause lehrte, Maria Ihn zu sprechen wünschte, aber doch nicht ohne seine Erlaubniß einzutreten wagte. Aus Demuth wollte sie auch, da sie mit den Aposteln im Speisesaal war, den letzten Platz wählen; denn, sagt der heil. Lukas Alle beharrten einmüthig im Gebete, sammt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu."( Apstg. 1.) Man muß nicht meinen, daß der heil. Lukas die hohe Würde der Mutter Jesu, um derenwillen er sie zuerst hätte nennen sollen, verkannt habe, nein, er nennt sie deßhalb zuletzt, weil Maria im Speisesaal wirklich ihren Platz nach den Aposteln und den andern Frauen gewählt hatte, und weil der heil. Evangelist auf die Pläge, die Jeder einge­nommen, Rücksicht nahm. Mit Recht, fügt der heil. Bernard hinzu, ist die Legte die Erste geworden, indem sie, da sie jedoch die Erste war, sich zur Letzten machte.

Endlich lieben die Demüthigen Verachtung; und daher liest man auch nicht, daß Maria am Palmsonntage, da das Volk ihren Sohn mit so großen Ehrenbezeigungen, mit Palmen in den Händen empfing, in Jerusalem gegenwärtig gewesen wäre. Hingegen unterließ sie nicht bei der Kreuzigung ihres göttlichen Sohnes auf dem Kalvarienberge zu erscheinen, und setzte sich gerne dem Schimpfe aus, für die Mutter eines Verurtheilten, der den schmählichen Tod eines Verbrechers sterben mußte, angesehen zu werden. Sie selbst sprach zur heiligen Brigitta: Gibt es etwas Verächtlicheres, als für eine Närrin angesehen zu werden, das Nothwendigste entbehren zu müßen, und sich ſelbst für unwürdiger, als Andere zu erkennen? So war meine Demuth beschaffen, darin fand ich meine Freude; denn ich wollte Niemanden als meinem göttlichen Sohne gefallen.

Als die selige Paula von Foligni eines Tages in einer Entzückung war, ließ Gott sie die Demuth Mariens erkennen. Nachdem die Heilige hierauf ihrem Beichtvater mittheilte, was sie erfahren, sprach sie, ganz außer sich vor Erstaunen: O wie groß, wie groß ist die Demuth Mariens, ehrwürdiger Vater! es scheint, als ob es in der Welt Niemanden gebe, der auch nur den geringsten Grad von Demuth hätte, wenn man sie mit der Demuth Mariens vergleicht. Eines Tages ließ der Herr der heil. Brigitta in einem Gesichte zwei Frauen erblicken, wovon die eine voll Eitelkeit und Prunk erschien. Das ist die Hoffart, sagte er zu ihr; aber diese andere, die du mit niedergeschlagenen Argen, dienstfertig gegen Alle, Gott allein

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