der allerfeligsten Jungfrau.
Maria wollte dem heil. Joseph die Gnade, Mutter Gottes geworden zu seyn, verbergen, obgleich es ihr damals scheinen mußte, es sei nothwendig, dieß zu offenbaren, um wenigstens ihren armen Gemahl vor Mißtrauen in ihre Keuschheit oder vor Verwirrung zu bewahren. Es geschah auch wirklich, daßder heil. Joseph, da er einerseits nicht an der Keuschheit Mariens zweifeln konnte, andererseits das Geheimniß nicht wußte, sie, um sich vor Verlegenheit sicher zu stellen, ,, zu entlassen gedachte," und wenn der Engel ihm nicht geoffenbart hätte, daß seine Gemahlin vom heiligen Geiste empfangen, so hätte er sie auch gewiß entlassen.
31
Aber der Demüthige will auch nicht, daß man ihn lobe; denn er will, daß Gott allein die Ehre zukomme. Daher erschrack Maria, als der Engel Gabriel sie lobte und Elisabeth zu ihr sprach: ,, Gebenedeit bist du unter den Weibern" und: ,, Woher geschieht mir dieß, daß die Mutter meines Herrn zu Maria mir kommt selig bist du, daß du geglaubt hast." bezog sogleich all' diese Lobpreisungen auf Gott allein und antwortete mit dem demüthigen Lobgesange: ,, Hoch preiset meine Seele den Herrn," als ob sie gesagt hätte: ,, Du lobest mich, Elisabeth; aber ich lobe den Herrn, der allein gelobt zu werden verdient. Du wunderst dich, daß ich zu dir komme, und ich bewundere die Güte Gottes, in Dem allein ich mich erfreue, ,, mein Geist frohlocket in Gott meinem Heilande." Du preisest mich, weil ich geglaubt habe, und ich, ich preise meinen Gott, der mein Nichts so hoch hat erheben wollen, ,, indem Er angesehen hat die Niedrigkeit seiner Magd." Die allerseligste Jungfrau sprach eines Tages zur heil. Brigitta: Warum habe ich mich so tief gedemüthigt? Warum verdiente ich so große Gnaden? Weil ich wußte und erkannte, daß ich von mir nichts sei und habe. Deßhalb verschmähte ich mein Lob, und wollte nur, daß man Den preise, Der mich erschaffen und Der mir Alles gegeben hatte. Der heil. Augustin rief über die Demuth Me ens folgende Worte aus: O wahrhaft selige Demuth, die 8 einen Gott gebar, die den Himmel öffnete, die die Seelen von der Hölle befreite.
-
-
Der Demüthige will auch Andern Dienste erweisen und deßhalb wollte Maria die heilige Elisabeth drei Monate lang bedienen. Elisabeth wundert sich, sagt der heil. Bernard, daß Maria z ihr kam; aber sie wunderte sich noch mehr, als sie sah, daß Maria nicht gekommen war, um bedient zu werden, sondern um zu dienen.


