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Maria, meine Zuflucht und mein Trost! : ein vollständiges Lehr- und Gebetbuch für Verehrer der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria ... und im Anhang den Monat Mariä [Mai] enthaltend / gesammelt von Michael Sintzel
Entstehung
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Von den Tugenden

Der erste Aft der Demuth des Herzens besteht darin, daß man eine niedrige Meinung von sich selbst habe. Maria hatte eine so niedrige Meinung von sich selbst, daß, wie es der heil. Mechtildis geoffenbart worden ist, obgleich sie er= kannte, daß sie mehr als Andere mit Gnaden bereichert war, sie sich dennoch Niemanden vorzog, und der Abt Rupert sagt, da er jene Worte der heiligen Schrift auslegt: Du hast mein Herz verwundet, meine Schwester, meine Braut, mit einem Haare deines Halses," daß dieß Haar des Halses der Braut die niedrige Meinung war, die Maria von sich selbst hatte und womit sie das Herz Gottes traf. Freilich konnte sich die allerseligste Jungfrau nicht für eine Sünderin halten, da die Demuth, nach dem Ausspruche der heil. Theresia, Wahrheit ist, und Maria erkannte, daß sie Gott nie beleidigt hatte; freilich mußte sie eingestehen, daß sie von Gott mehr Gnaden als die andern Geschöpfe empfangen hatte, weil ein demüth­iges Herz die besondern Gnaden, die es vom Herrn empfängt, gerade deßhalb erkennt, um sich noch mehr zu demüthigen, aber die göttliche Mutter wußte, wegen der großen Erkennt­niß, die sie von der unendlichen Macht und Güte ihres Gottes hatte, gerade deßhalb nur um so besser ihre Niedrigkeit zu schätzen, und demüthigte sich deßwegen mehr, als alle Andern, fie rief aus mit der Braut im Hohenliede: ,, Sehet mich nicht an, daß ich so braun bin; denn die Sonne hat mich ver= färbt." Was der heil. Bernard auf folgende Weiſe erklärt: Wenn ich mich Gott nähere, so finde ich, daß ich schwarz sei; und das kam daher, fügt der Heilige hinzu, weil die aller­feligste Jungfrau fortwährend ihr Nichts mit der göttlichen Majestät verglich. Gleichwie eine Bettlerin, wenn man sie mit einem reichen Anzuge bekleidet, nicht stolz darauf sehn wird, sondern sich vor ihrem Wohlthäter nur noch mehr verdemüthigt, weil sie dadurch an ihre Armuth erinnert wird, so verbemüthigte Maria sich immer mehr, je mehr sie mit Gnaden bereichert wurde, indem sie dadurch nur daran erinnert ward, daß alle Gaben Gott an hören; daher sprach sie auch zu der heiligen Benediktinerin Elisabeth: ,, Wisse, daß ich mich als sehr elend und der göttlichen Gnade unwürdig betrachtete." Weil, sagt rer heilige Bernard, es kein Geschöpf gegeben hat, welches sich tiefer vertemüthigt hätte, als Maria, so hat es auch kein Geschöpf gegeben, welches höher erhoben worden wäre, als sie.

Es ist auch ein Beweis ven Demuth, wenn man die natürlichen Gaben, die man von Gott empfangen hat, verbirgt.

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