der allerfeligsten Jungfrau.
die Mutter nachzuahmen, wenn er ihre Gunst wünscht, da, wenn sie sich geehrt sieht, wie es eine Mutter verdient, sie ihn behandeln und begünstigen wird, gleichwie ihren Sohn.
Obgleich in den Evangelien wenig von den Tugenden Mariens aufgezeichnet ist, so heißt es doch daselbst, daß Maria ,, voll von Gnade war," woraus wir zur Genüge erkennen können, daß sie alle Tugenden, und das auf eine heldenmüthige Weise, besaß. Der heil. Thomas sagt: daß unter den andern Heiligen sich jeder in einer besondern Tugend auszeichnete, daß aber die allerseligste Jungfrau Maria in allen Tugenden vollkommen war, und uns deßhalb als Beispiel vorgestellt wird. Auch der heil. Ambrosius lehrt ums, daß das Leben Mariens allein ein genügendes Muster für Alle geworden sei, weßwegen er uns ermahnt: Es bleibe euch wie ein Bild vor Augen die Jungfräulichkeit und das Leben Mariens, in der uns ein Beispiel aller Tugenden hervorleuchtet. Betrachtet sie als das Muster eures Wandels und erkennt an ihr, was ihr verbessern, was ihr fliehen, was ihr behalten sollt. Weil nun, nach dem Ausspruche der Väter, die Demuth die Grundlage aller Tugenden ist, so wollen wir zuerst betrachten, wie groß die Demuth der Mutter Gottes war.
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S. 1. Von der Demuth Mariens.
Die Demuth, sagt der heil. Bernard, ist die Grundlage und die Hüterin aller Tugenden, und das mit Recht, denn ohne die Demuth kann keine andere Tugend in einer Seele Platz finden, wenn dieselbe auch alle Tugenden besäße, denn diese werden alle fliehen, sobald die Demuth sie verläßt. Gott, schrieb der heil. Franz von Sales an die heil. Johanna Chantal, liebt sosehr die Demuth, daß, wo Er sie erblickt, Er hinzueilt. Vor der Ankunft Christi war diese schöne und so nothwendige Tugend unbekannt; der Schn Gottes kam auf die Welt, um uns dieselbe zu lehren, und wollte, daß wir Ihn hierin besonders nachzuahmen suchten. Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig."( Matth. XII. 29.) Gleichwie nun Maria die erste und vollkommenste Schülerin Christi in allen Tugenden war, so war sie dieß besonders durch ihre Demuth, um derentwillen sie über alle Geschöpfe erhoben zu werden verdiente. Es ward der heil. Mechtildis geoffenbart, daß die erste Tugend, in der Maria sich auf eine ganz besondere Weise von frühester Kindheit an übte, die Demuth war.


