Kurze Lebensgeschichte
der der Kirche ihres Eingebornen, als ihre zartesten Kinder, liebte, nur noch das einzige Verlangen, die auserwählten Verbreiter derselben, die Apostel ihres göttlichen Sohnes, noch einmal zu sehen, um sie zum letzten Male zu trösten und zu immer thätigerem und flammenderem Eifer zu ermahnen. Eine sehr denkwürdige Schrift ist die Erzählung, die der heil. Johannes von Damaskus von den letzten Stunden ihres Lebens, nach einem Schreiben des heil. Dionysius, uns aufbewahrte. Dieser große heil. Bischof und Märtyrer, der selbst als Augenzeuge zugegen war, erzählt nämlich, auf wie wunderbare Weise der Herr die letzte Bitte seiner heil. Gebärerin erhört habe, und wie, mit Ausnahme des einzigen Thomas, alle übrigen Apostel, die noch am Leben waren, bei ihrer geliebten Herrin in ihren letzten Stunden erschienen, und ihrem heiligen Schlummer beiwohnten. Als nun der Augenblick nahte, wo sie ihre gebenedeite Seele in die Hände ihres göttlichen Sohnes übergab, der mit Chören der Engel und zahllosen Schaaren heil. Himmelsbürger erschien, ertönten wundersüße Gesänge, und himmlisches Licht erfüllte das Gemach der hochgebenedeiten Jungfrau, in welches alle christlichen Bewohner Jerusalems unter lautem Schluchzen strömten, ihre geliebte Mutter und Herrin zum letzten Male zu verehren. Zahllose Kranke, Blinde und andere mit schweren Gebrechen Behaftete, mrrunter selbst unbekehrte Juden, erhielten augenblicklich die Gesundheit, sobald sie diese heilige Stätte betraten.
Bald hierauf bestatteten die Apostel und Jünger, in Begleitung des christlichen Volkes, die heilige Leiche in stiller Trauer; worauf nach drei Tagen der heil. Thomas erschien und zu seiner großen Bestürzung vernahm, daß die gesegnete Arche des Bundes, in welcher der Sohn des Allerhöchsten persönlich geruht hatte, bereits im Schooße der Erde ruhe. Trostlos, ihr liebreiches Angesicht nicht mehr zu sehen, bat er die Apostel, die heilige Grabesstätte zu eröffnen, welche Bitte sie ihm auch gern gewährten. ,, Sie eröffneten also das Grabmahl," fährt der heil. Johannes von Damaskus fort, konnten aber ihren heil. Leichnam nirgends finden; sondern sie fanden bloß die Linnen, in die er gehüllt worden, und die mit unaussprechlichem Wohlgeruch die Lüfte erfüllten. Hocherstaunt über das Wunder dieses Geheimnisses, verschlossen sie die Stätte, und vermochten nichts anderes zu denken, als daß es dem Worte Gottes, dem Herrn der Glorie, dem es gefallen hatte, ihre Jungfräulichkeit, selbst nach ihrer Geburt unversehrt zu erhalten, auf gleiche Weise gefallen habe, diesen mackellosen Leib un
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