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Maria, meine Zuflucht und mein Trost! : ein vollständiges Lehr- und Gebetbuch für Verehrer der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria ... und im Anhang den Monat Mariä [Mai] enthaltend / gesammelt von Michael Sintzel
Entstehung
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Kurze Lebensgeschichte

göttlich- süßen Gespräche, jene vertrauliche Ansprache, jene gehei men Unterrebungen, die du mit dem Söhnlein pflegtest, wenn er, in deinem Schooße liegend, himmlische Geheimnisse dir er­öffnete! was sprach er da? Was lehrte er? Was fragtest du ihn? Was antwortete er dir? Denn innigst war es dir fund, wer er wäre; du waßtest, daß die unendlichen Schätze der Weisheit Gottes in ihm verborgen waren; daß der tiefste Ab­grund des göttlichen Lichtes in seiner findlichen Brust sich be­hielt; und bewahrtest alle Worte seines Mundes als göttliche Aussprüche. O glückselige Frau, die bu so lange mit dem Nec­tar ber göttlichen Weisheit getränkt wurdest! Warum, o glor­reiche Jungfrau, hast du diese so große Wonnen uns vorbe­halten? warum diese so ersehnlichen Schätze vor deinen Die­nern verborgen? warum diese süßesten Gespräche nicht zu un­serer Belehrung und zu unserem Troste in den heil. Schriften aufzuzeichnen befohlen?" Was wäre uns lieblicher; was je fü­ßer und erfreulicher, was auch heilsamer, als daß wir durch die Speise so heiliger Weisheit ernährt würden, durch die himm­lischen Dinge, von welchen Sohn und Mutter sich besprachen? Doch nimmer geziemte es sich, diese so kostbaren Edelgesteine vor Allen zu entfalten, und Dinge, die den Menschen nicht erlaubt sind zu sprechen, Allen öffentlich kund zu thun!

Wundersam hebt jedoch der liebreiche und feurige Betrach­ter, der heil. Antonius, den Schleier dieser heil. Verborgenheit, und zeigt uns die Jungfrau im süßesten Gespräche mit dem göttlichen Kinde. ,, War auch die Jungfrau," spricht er, ,, durch ihre heil. Geburt die wahrhaftige Mutter Christi, so erzeigte sie, da es ihr kund war, ihr Sohn sei ihr Schöpfer, sich dennoch nimmermehr gegen ihn als Mutter, sondern als seine demüthigste Magd; wiewohl er ihr, als seiner wahren Mutter mit Ehr­furcht begegnete. Keine Ehrfurcht forderte sie jedoch, sondern fromm entsagte sie der ihr erwiesenen, und führte sie auf ihn zurück." O welch' ein frommer Wettstreit in der heiligen, ver­borgenen Hütte zwischen der Mutter und dem Sohne! Zuvor­kommen wollte sie durch Kniebeugungen ihm, der sich gehorsam vor ihr neigte; er dagegen, dem alles Künftige gegenwärtig war, kam der ihm Zuvorkommenden selbst mit Ehrfurcht zuvor. Auf den Knieen betete sie den Sohn an; er aber neigte sein Haupt demüthig vor der Anbetenden. Nimmer geziemt es sich, sprach fie, daß Gott vor einem Weibe sich neige; er aber antwortete: Gleichwohl geziemt es sich auf alle Weise, daß der Sohn der Mutter untergeben sei! Laß, mein Sohn, sprach Maria, mich jenes Gesetz vollbringen, was bein göttlicher Mund aus

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