der allerjeligsten Jungfrau.
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steigt alle Fülle der Gnaden herab; doch bleibt sie nicht in der Seele, sondern sie fließt gleich dem Wasser hindurch, wenn sie nicht auch ihre Feinde, nämlich alle Laster und Sünden haßt. Wer also Gottes Gnade empfangen und besitzen will, der muß sein Herz zur Liebe und zum Hasse ordnen. Was ich nun that, meine Tochter, das will ich, sollst auch du thun. Denn immer stand ich, wenn die Nacht zur Mitte war, vom Schlafe auf, und ging vor den Altar des Tempels, wo ich mit so großem Verlangen, mit so eifrigem Willen und so innigem Zartgefühl, als ich nur konnte und wußte, zu dem Allmächtigen um die Gnade flehte, diese drei Gebote und alle übrigen Befehle des Gesetzes zu halten. Und lag ich also vor dem Altare, so that ich folgende Bitten an den Herrn:
1) Daß er mir die Gnade verliehe, wodurch ich es vermöchte, das Gebot seiner Liebe zu erfüllen; ihn nämlich aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Sinne und aus allen Kräften, den Nächsten aber, nach seinem Willen und Wohlgefallen, wie mich selbst zu lieben, und daß er mich anregte, Alles zu lieben, was er selbst liebt; so wie auch Alles zu hassen und zu fliehen, was er haßt. Dann flehte ich auch zu ihm um Demuth, Geduld, gütiges Wohlwollen, Sanftmuth, und um alle Tugenden, durch die ich vor seinen heiligen Augen könnte wohlgefällig werden. Ferner bat ich ihn, mich die Zeit erleben zu lassen, wo jene glückselige Jungfrau sollte geboren werden, die den Sohn Gottes gebären sollte; und daß er meine Augen bewahrte, auf daß ich sie sehen, meine Zunge, daß ich sie loben, meine Hände, daß ich ihr dienen, meine Füße, daß ich in ihren Dienst eilen, und meine Kniee, daß ich den Sohn Gottes in ihrem Schooße anbeten könnte. Ueberdieß bat ich ihn auch um die Gnade, den Befehlen und Anordnungen des hohen Priesters vollkommen zu gehorchen; und endlich, daß er in seiner Barmherzigkeit den Tempel und das ganze Volk in seinem heiligen Dienste erhalten möchte."
,, Als die Dienerin Christi dies gehört hatte, rief sie voll Erstaunen aus: O süßeste Frau und Herrin! warst du denn nicht von dem ersten Augenblicke deiner Empfängniß an voll der Gnade und aller Tugenden? Hierauf antwortete die heil. Jungfrau: ,, Wisse für gewiß, meine Tochter, daß ich mich für so höchst niedrig und der Gnade Gottes unwürdig hielt, als du. Deßwegen slehte ich auch auf solche Weise um die göttliche Gnade und um Tugenden." Und abermal sprach sie: ,, Du glaubst, meine Tochter, daß ich alle Gnade, die ich hatte, chne alle Wübe und Arbeit erbielt;- doch nimmer ist dieß also


