Kurze Lebensgeschichte
Brandepfer auflös'te. ,, Kein Mensch, der vom Weibe geboren ward, hatte die Gabe des beschaulichen Gebetes in so hohem Grade, spricht der heil! Ambrosius; und ihr ganzes Leben war gleichsam eine heilige Entzückung;" denn ihre Erkenntniß Gottes überstieg die Kenntniß aller Menschen, und nach dem Maße ihrer Erkenntniß wuchs ihre Liebe, die ihr Herz gleich einer heiligen Flamme verzehrte. So sehr glühte sie, seinen heiligsten Willen zu erfüllen, daß sie fürwahr mit ihrem göttlichen Sohne sagen konnte: ,, Meine Speise ist, daß ich den Willen meines Vaters thue!" Darum glänzte sie auch als das Vorbild aller Jungfrauen, deren unzählige ihrem leuchtenden Beispiele folgten; wie lange zuvor der Seher geweissagt hatte, der da sprach: ,, Es werden dem Könige Jungfrauen nach ihr vorgeführt werden!"( Pſ. 44.)
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Viertes Kapitel. Legende aus dem heiligen Bonaventura.
Viele heilige Seelen betrachteten in Andacht die Weihe dieser gebenebeiten Jungfrau und ihr stilles Leben im Tempel; und zum Troste und zur Belehrung derselben führen wir hier eines der kostbarsten Fragmente aus einer sehr einfachen Legende an, die der heil. Bonaventura uns erhielt, und die mehr Licht über das Leben dieser gebenedeiten Jungfrau verbreitet, als große Bände apokryphischer Schriften. Dieser große Kirchenlehrer erzählt nämlich, die glorreiche Jungfrau sei einst einer sehr heil. Seele erschienen, und zwar, wie er vermuthet, ber heil. Elisabeth, und habe sie, unter Andern, folgender Ansprache gewürdiget:
,, Als am Endbe meines britten Jahres, mein Vater und meine Mutter mich im Tempel zurückgelassen hatten, beschloß ich in meinem Herzen, Gott zum Vater zu haben, und oftmals bedachte ich in Andacht, was ich thun möchte, das Gott wohlgefällig wäre, auf daß er seiner Gnade mich würdigen möchte. Und ich ließ mich im Gesetze meines Gottes unterrichten. Aus allen Geboten des göttlichen Gesetzes aber bewahrte ich vorzüglich drei in meinem Herzen; nämlich: Du sollst Gott deinen Herrn aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Sinne und aus allen Kräften lieben;" ferner:" Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst;" und endlich: ,, Du sollst deinen Feind hassen." Diese brei Gebote also bewahrte ich in meinem Herzen, und alsbald erfaßte ich alle Tugenden, die darin enthalten sind. Und dieß sollst du auch thun. Denn nimmermehr kann die Seele irgend eine Tugend haben, wofern sie nicht Gott aus ganzem Herzen liebt. Denn von dieser Liebe


