der allerfeligsten Jungfrau.
11
( Sprichw. 31.) Denn früher als Alle begann sie; von den frühesten Tagen ihrer Kindheit, ja, vom frühesten Momente ihres Bewußtseyns an, zielte ihr ganzer Sinn, gleich einem flammenden Pfeile, nach dem Urheber ihres Sehns; ohne Unterlaß wirkte ihre, im Lichte Gottes strahlende, Seele zu seinem Lobe. Also nahm sie, gleich ihrem göttlichen Sohne, an Alter, Gnade und Weisheit zu, vor Gott und den Menschen.
Früher noch, als sie das Licht der Welt erblickt hatte, von ihren heiligen Eltern dem Dienste des Allerhöchsten geweiht, eilten sie die von Schaubern heiliger Ehrfurcht ergriffen sahen, wie dieß vom Himmel ihnen anvertraute Pfand voll des heiligen Geistes war, der mit seinem Lichte und seiner Gnade ihr zuvorgekommen war, und wie sehr sie bereits in ihrem frühesten Aufgang den Glanz der erlauchtesten Tugenden ausstrahlte ihr Gelübde zu erfüllen, brachten sie bereits in ihrem dritten Lebensjahre nach Jerusalem, une opferten daselbst diese fleckenlose Taube in jenem Tempel, dessen Herrlichkeit größer war denn einst die Glorie der Salomonischen Tempelhallen. Denn zum Ersten Male erschien hier ein fle denloses, heiliges und annehmliches Opfer, das der ewige Vater mit Wohlgefallen sah, der sie von Ewigkeit zur jungfräulichen Mutter seines Eingebornen erforen hatte.
Mit wie zarter Andacht, mit wie heiliger Treue, mit wie unaussprechlichem Jubel und flammenden Liebeseifer die gebenedeite Jungfrau diese heilige Stätte betrat, mit wie süßer Inbrunst sie die Einsamkeit liebte, worin sie Tag und Nacht ihr Herz in Gebet und heiligen Thränen vor Gott ergoß, dem sie nach der ganzen Kraft ihrer Seele diente; in wie himmlischer Sorgfalt sie ihr Herz mit allen Gaben und Tugenden erfüllte, das, gleich einer hellglänzenden Lampe, durch das heilige und milde Del ihrer Beispiele und Hochverdienste die Welt erlenchten sollte, wer wird dieß erfassen? wer schildern?- Gleich einer Lilie im Thale, die, lieblich duftend, ihren eigenen Schmuck nicht kennt, hielt sie dabei, in wahrhaftiger und ungeheuchelter Demuth, sich für die niedrigste aus allen Dienerinnen Gottes; ermunterte und eiferte alle Uebrigen zum Lobe und zum Dienste der Gottheit an, und in stiller Bewunderung und heiligem Erstaunen blickten ihre Gefährtinnen und die Priester des Tempels zu ihr, als zu dem Siegel der Vollendung, auf. Denn vollkommen hatte sie dem Allerhöchsten ihren Leib und ihre Seele geheiligt und geweiht, und er allein und seine heiligen Engel waren Zeugen ihrer innerlichen, flammen den Liebe, worin sie vor seinen Augen sich als sein beständiges


