Kurze Lebensgeschichte
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himmlischen Boten. Jedermann lief herbei, ihn zu sehen, und seine fromme Mutter, vor Freude außer sich, fiel ehrfurchtsvoll vor ihm auf die Kniee. Und kaum hatten die zwei im Streite verwickelten Fürsten den Heiligen erblickt, als aller Groll und Haß sich in ihren Gemüthern legte, und sie ewig einander Liebe und Freundschaft schworen. Aloysius vereinigte noch mehrere gegen einander empörte Gemüther. Niemand konnte seiner Liebe und Sanftmuth widerstehen. Man verehrte ihn von nun an in der ganzen Gegend von Castiglione und Mantua als einen Engel des Friedens.
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Als nun Aloysius seinen Aufenthalt bei seiner Familie nicht mehr für nothwendig hielt, nahm er Abschied von seinen Verwandten, und begab sich nach Mailand, wo er im Monate März des Jahres 1590 ankam. Dort setzte er seine Studien wieder mit größtem Fleiße fort, und war unermüdet in Uebung der Tugenden, vorzüglich der Demuth, gemäß welcher er auch die niedrigsten Aemter zu verrichten suchte. In Mailand war es auch, wo ihm im Gebete das Herannahen seines Lebensendes geoffenbaret wurde. Diese Offenbarung bewirkte, daß er sich von nun an mehr als je von allen irdischen Dingen losriß. Im Wintermonate des gleichen Jahres wurde er von seinen geistlichen Obern wieder nach Rom berufen. Dort angekommen, verlangte er ein enges und dunkles Zimmer zur Wohnung. Der ganze Schmuck desselben bestand in einem Bette, einem hölzernen Stuhle und einem kleinen Büchergestell. Seine Unterhaltungen waren geistiger Art, nämlich die außerordentlichen Freuden in seiner reinen Seele, sogar öftere und lange dauernde Entzückungen, und dann der frohe Gedanke: er werde bald zum Herrn kommen. Oft redete er von dem großen Glücke, jung zu sterben, um desto früher mit Gott vereiniget werden zu können.
Während einer ansteckenden Krankheit, die zu Rom im Jahre 1591 grausenvolle Verheerungen anrichtete, ließ das Jesuiten Kollegium auf eigene Kosten ein Spital


