Kurze Lebensgeschichte om
naueste den Befehlen seines Lehrers nachlebte. Dieser sein schneller Gehorsam, die Inbrunst seines Herzens und seine auBergewöhnliche Strenge mit sich selbst bewirkten, daß seine Prüfungszeit abgekürzt und er den ältern Novizen beigezählt wurde.
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Vor allen schönen Tugenden, welche die fromme Seele des heiligen Aloysius zierten, verdient seiner bewunderungswürdigen Demuth erwähnt zu werden. Da er gegen Alles, was nur immer Vorzug genannt werden konnte, einen heftigen natürlichen Widerwillen hatte, so brachte es ihm die größte Qual, wenn man ihm in irgend einer Sache einen Vorzug gab. Für sich selbst that oder redete er nie etwas, das nur von ferne auf Lob oder Ruhm hätte Bezug haben können. Sein Herkommen suchte er so viel als möglich in Vergessenheit zu setzen. Schamröthe überzog ihn, wenn er sich wegen seiner Geschicklichkeit rühmen hörte. Sowohl in als außer dem Hause gab er Allen den Vorzug. Auch den geringsten Ordensbrüdern gab er die Ehre, neben ihm die rechte Seite einzunehmen. Bei Tische hielt er sich gewöhnlich zu den Niedrigsten. Sein demüthiges Benehmen, seine Frömmigkeit und Strenge des Lebens gewann die Liebe all' seiner Ordensbrüder. In ihm erkannten sie das Muster der christlichen Vollkommenheit, nach der auch sie zu ringen hätten.
Kaum mochte Aloysius zwei Monate in seinem heiligen Berufe gelebt haben, als er die Nachricht von dem Tode seines Vaters erhielt. Diesen harten Schlag ertrug er aber mit einer unerschütterlichen Standhaftigkeit. Zu seinem innern Troste trug aber nicht wenig bei die erbauliche Art und Weise des Hinscheidens seines seligen Vaters. Diesen schönen Umstand benüßte er, seine betrübte Mutter zu trösten, was ihm auch wirklich nicht mißlungen war. Indessen rückte Aloysius stündlich vorwärts in der Schule der Vollkommenheit. Seinen Vorsatz, Gott nie aus den Augen zu verlieren, hat er so strenge befolgt, daß ihm die Andacht des Herzens gleichsam zur zweiten Natur geworden, daß seine Seele auch unwillkührlich mit dem


