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Kurze Lebensgeschichte
beste Mittel sein, seinen frommen Eifer zu fühlen. Und wirklich mußte Aloysius auf Reisen. Aber all' das Neue und Glänzende in den verschiedenen Ländern sprach ihn nicht an. Er kam nach Hause, wie er verreist war, unschuldig und rein und fest entschlossen, in den einmal bestimmten Orden zu treten. Und jetzt glaubte er zuversichtlich, sein Vater würde ihm nun kein Hinderniß mehr legen. Aber er irrte sich, er hatte noch manche und lange Kämpfe zu bestehen. Der Vater ließ kein Mittel undersucht, seinen Sohn auf andere Gesinnungen zu bringen. Er gebrauchte Härte und Liebe, Versprechungen und Schenkungen; allein ohne erwünschte Wirkung. Aloysius blieb unerschüttert; seine Zuflucht nahm er durch Gebet zu Gott, auf daß dieser seines Vaters Härte in Nachgiebigkeit umwandeln möchte. Wo die Noth des Gottergebenen am größten ist, da ist Gottes Hilfe auch am nächsten. Während Aloysius dem Gebete so ohne Unterlaß oblag, fühlte sich die Hiße des Vaters, und er fing an, die Härte gegen seinen Sohn in etwas zu bereuen. Eines Tages schickte er den Stadtverwalter hin, um zu sehen, was Aloysius jetzt mache. Als dieser vor sein Zimmer fam, fand er die Thüre verschlossen. Er sah durch's Schlüsselloch, und da erblickte er den heiligen Jüngling vor dem Krucifire, den entblößten Rücken geißelnd. Innigst bewegt und bis zu Thränen gerührt, kömmt er zum Markgrafen, und erzählt ihm, was er gesehen habe. Dieser noch mehr gerührt über das Betragen des Sohnes, läßt sich ſelbst, da er krank war, auf einem Sessel vor das Zimmer des Aloysius tragen, und ist selbst Augenzeuge von seinem Gebete und seiner Selbstzüchtigung.
Der traurige Anblick brachte ihn fast außer sich; doch er faßte sich schnell, ließ an der Thüre klopfen, und ging so mit seiner Gemahlin hinein, und fand den Boden hin und wieder mit Blut bespritzt und mit Thränen beneßt. Des frommen Jünglings Gebet hatte Erhörung gefunden. Erschüttert und überwunden durch einen solchen Anblick, gab der Vater auf der Stelle seine Einwilligung. Und


