Druckschrift 
Katholisches Gesang- und Gebetbuch für die Angehörigen des Bisthums Limburg / im Auftrage des Hochw. Herrn Peter Joseph, Bischofs von Limburg, hrsg. von Julius Eiffler, Domvicar
Einzelbild herunterladen

Betrachtungen über die ewigen Wahrheilen.

717

ewig umsonst nach einem Tropfen Wassers, die einst von Got­teslästerungen, Flüchen und Schwüren, Verleumdungen und Ehrabschneidungen, Lügen und unteuschen Worten voll war; hier brennt nun die wilde Gluth des Höllenfeuers jene frevel­haften Hände, die einst fremdes Eigenthum, die Habe der Witt­wen und Waisen an sich gerissen; hier werden jene Füße nun gefoltert und zerhauen, die einst den Sünder zum Orte seiner Laster trugen. Kurz, Alles, was die Verdammten umgibt, dient zu ihrer Peinigung. Sie sehen Nichts, als Feuer, sie berühren Nichts, als Feuer, sie fühlen Nichts, als Feuer. Sie hören Nichts, als Heulen und Wehklagen. Alles erfüllt sie mit Ab­schen und Entsetzen.

Zu diesen Beinen kommen dann noch die quälenden Vor­würfe, welche den Verdammten ihr Gewissen macht. Auf Erden vielfach eingeschläfert und mit Gewalt zum Schwei­gen gebracht, wird es in der anderen Welt desto lebendiger erwachen, um ihnen immer wieder vorzuhalten, was sie durch ihre Schuld verloren haben. Sie haben vor Augen die Herr­lichkeit des himmlischen Jerusalem, zu dem sie berufen waren, und der nagende Wurm des Gewissens sagt ihnen, daß sie diese ewige Seligkeit hingaben für eine Hand voll Erdenstaub. Die Bosheit ihrer Sünden und Lafter schwebt unaufhörlich vor ihren Augen und erweckt jenen schrecklichen Vorwurf: Ach, für zeitliche Dinge, die einen Augenblick währten, habe ich den Himmel verloren! wie verfluche ich jetzt meine Sünden! Wie gerne wollte ich jetzt alles Elend dulden, wenn ich nur noch eine einzige einzige Stunde Zeit hätte, Buße zu thun! Aber es ist zu spät, für mich gibt es keine Barmherzigkeit mehr; ich bin verdammt und verloren, verdammt und verloren durch meine Schuld, verdammt und verloren die lange, lange Ewigkeit hindurch;- und mir ist Recht widerfahren, ich selbst wollte meinen Untergang!- Schrecklicher Gedanke!

Oft fühlen wir uns auf Erden bei unsern Leiden erleich­tert, wenn wir sehen, daß Andere Gleiches zu dulden haben. in der Hölle aber gewährt Dies den Verdammten keine Linde­rung. Im Gegentheil muß ihre Gesellschaft die Qualen vermehren. O mit welchen Augen müssen dort Personen ein ander ansehen, die in fündhaftem Umgang mit einander lebten und sich dadurch beiderseits Anlaß der Verdammung wurden! Wie schrecklich müssen sich dort Verführer und Verführte haffen! Mit welchem Zorne werden dort verdammte Kinder hin auf ihre verdammten Eltern sehen und ihnen zurufen: Ihr seid Schuld an unserem ewigen Untergange, weil ihr unsere Er­

-

-