Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten. 715
Willst du vor solch schrecklichem Loose sicher sein, mein Christ, so komme ihm zuvor: verharre nicht länger in der Sünde; bekehre dich jetzt zu Gott; denn noch sind die Tage des Heiles, noch findest du Mittel und Wege, um dem ewigen Verderben auszuweichen; noch ist der Herr bereit, dir zu verzeihen, dich wieder als sein Kind anzunehmen. Laß seine Gnade nicht unbenutt; vielleicht ist es die letzte, die er dir gewährt; fange heute noch an, Hand an's Werk deiner Bekehrung und Besserung zu legen, später hast du vielleicht keine Zeit mehr dazu. Also wirte dein Heil in Furcht und Zittern"
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6. Von der Hälle.
Es gibt eine Höife, ein ewiges Feuer, worin die Verdammten gepeinigt werden. Was auch der Unglaube und die Zweifelsucht dagegen vorbringen mögen: keine Wahrheit ist gewisser, als diese. So fordert es Gottes unendliche Gerechtigkeit, so bezeugt es sein untrüglich wahres Wort.„ Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer."- Sie werden eingehen in die ewige Strafe;"( Matth. 25.)-„ Das höllische Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht erlischt;"( Mart. 9.) die äußerste Finsterniß, wo Heulen und Zähnetnicschen sein wird."( Matth. 8.)- Das find Ausdrücke, die Christus selbst gebraucht und die unwiderleglich darthun, daß den Sünder eine ewige und sehr schmerzliche Strafe erwartet. Sträube dich also nicht, mein Christ, gegen den Glauben an die Hölle. Nicht Das rettet dich vor ihr, daß du die Augen schließest, um sie nicht zu sehen: gar Mancher, der nicht daran glauben wollte, hat es zu spät fahren, daß es eine Hölle gibt, und fühlt ihr Feuer in diesem Augenblicke und wird es fühlen in Ewigkeit. rettet dich vor der Hölle, daß du recht oft an sie denkst und dir vergegenwärtigst, was den Sünder dort erwartet!
Aber Das
Worin bestehen die Qualen der Hölle? Die wesentlichste Strafe, welche die Hölle eigentlich zur Hölle macht, ist die Trennung von Gott und seiner beseligenden Anschauung. Das mag jetzt vielleicht Mancher gering achten, der auf dieser Erde keine Freude am Umgang mit Gott hat; aber in der anderen Welt wird er einsehen, was er verloren hat, indem er Gott verlor. Für Gott ist die Seele geschaffen, nach ihm strebt sie unbewußt hin, wie die Pflanze nach dem Zicht der Sonne; in ihm allein findet sie Ruhe und Seligkeit. Und wenn so mancher Mensch auf dieser Erde tein Verlangen nach


