Druckschrift 
Katholisches Gesang- und Gebetbuch für die Angehörigen des Bisthums Limburg / im Auftrage des Hochw. Herrn Peter Joseph, Bischofs von Limburg, hrsg. von Julius Eiffler, Domvicar
Einzelbild herunterladen

Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten. 713

seinem Eheweibe, der Bruder von der Schwester, der Unschuldige von seinem Verfolger getrenni werden.

Erst wird sich der Richter zu den Gerechten wenden, all' ihre Tugenden und guten Werke, die sie öffentlich oder im Verborgenen ausgeübt, offenbaren und zu ihnen sprechen: Kom­met, ihr Gesegneten meines Vaters, und besizzet das Reich, wel­ches euch von Anbeginn der Welt bereitet ist. Kommet, ihr Ar­men im Geiste, ihr Sanftmüthigen, ihr Keuschen, ihr Verfolg ten um der Gerechtigkeit willen! Kommet nun, um für die kurzen Kämpfe und Leiden eine ewige Krone im Himmel zu genießen! Ich will euch für das geringste Gute, das ihr mir zu Liebe gethan, die ganze Ewigkeit hindurch belohnen."-

Nachher wird sich der Richter, Jesus Christus, mit erzürn­tem Angesichte gegen die Verworfenen wenden und ihnen ihre geheimen und offenbaren Sünden vorhalten. O des fürchter­lichen Schauspiels! Alles, was im Finstern und an verborge­nen Orten geschehen, wird nun vor aller Welt offenbar. Man wird alle bösen Gewohnheiten, alle abscheulichen Sün­den, die man mit sich selbst und mit Andern begangen, alle bösen Absichten, geheimen Diebstähle und Betrügereien im Handel und Verkauf, alle Heuchelei und Falschheit des Herzens, alle Ungerechtigkeiten, alle Vernachlässigung der Pflichten gegen Kinder, Untergebene und Mitmenschen sehen. Der Richter wird Nechenschaft fordern über so viele ertheilten Gnaden und Einsprechungen, über den Empfang der heiligen Sa­cramente und so mancherlei anderer Wohlthaten; er wird die Seelen zurückfordern, welche geärgert, verführt, ihrer Unschuld beraubt und eine Beute der Hölle geworden sind. Wehe dem Bater, wehe der Mutter, die ihre Kinder nicht sorgfältig vor dem Bösen bewahrten, sie im Müßiggange und Leichtsinne er­zogen, ihnen schlechte Gesellschaften, gefährlichen Umgang, ärger­liche Vergnügungen erlaubten! Wehe dem Jünglinge, der seine Lage in Ausschweifungen, in Befriedigung seiner fündhaften Begierden, in Vergessenheit Gottes zugebracht! Wehe dem Mädchen, bas unerlaubtem Umgange angehangen und mehr auf den eitlen Bug seines Körpers, als auf das Wohl seiner Seele verwendet hat! Wie viele Neuethränen werden dann, ach zu spät, vergossen werden, und welche Verzweiflung wird so viele tausend Seelen ergreifen! Denn es ist vorüber die Zeit der Gnade und Erbar­mung und gekommen der Tag der unerbittlichen Gerechtigkeit. 3war werden die Verworfenen dem Richter sagen: Wir haben doch gebetet, Tugenden ausgeübt, Buße gethan, gebeichtet, communicirt u. s. w." Er wird ihnen aber antworten: Ich

11