Druckschrift 
Das Buch der Kirche vom Palmsonntage bis zum weißen Sonntage, oder Die Charwoche [Karwoche] und Osterwoche mit allen ihren gottesdienstlichen Handlungen, Lateinisch und Deutsch, nebst Erklärung der dabei vorkommenden Ceremonie / von G. M. Pachtler
Entstehung
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Die Kirche und ihre Sprache.

orfene. Wie sich die Scheidemünze abgreift und außer Kurs kommt, so veraltet und verschwindet manches Wort und mancher Ausdruck. ,, Pfaff", einst Ehrenname, ist jetzt Schimpfwort; ,, Leichnam" hieß noch zu den Zeiten des Hans Sachs der frische und lebendige Leib, jetzt nur mehr der todte. Ohne Anstoß las man noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts das rosenfarbene Blut des Heilan­des" und tausend andere Kindlichkeiten, an welchen man sich heutzutage stößt. Welch' unaufhörlichen Schwankungen und Gefährlichkeiten wäre also die Liturgie in der Landes­sprache ausgesetzt! Was würde aber gar aus der Be­stimmtheit und Schärfe des Ausdrucks! Auf die Sprache der Liturgie baut der Dogmatiker eine ganze Kette unangreifbarer Beweise für den ältesten Glauben der Kirche. Das Gesetz des Kirchengebetes ist eine Grund­lage des gesetzlichen Glaubens.") Man beginne einzureißen, und man ist von gestern her und muß um armselige Zugeständnisse betteln, nachdem man die schärfsten Waffen weggeworfen.

Die Sprache des Gottesdienstes sei heilig; sie wird es aber desto mehr sein, je ferner sie dem täglichen Ge­brauche steht. Treffend sagt Graf von Maistre: ,, Die Ver­derbtheit des Zeitalters bemächtigt sich täglich gewisser Wör­ter und verdirbt sie zu ihrer Belustigung. Spräche die Kirche unsere Sprache, so könnte es von einem frechen Schöngeiste abhängen, das heiligste Wort der Liturgie lächerlich oder unehrbar zu machen."") Als das Gewand geheimnißvoller Dinge, soll auch die Sprache selbst ge= heimnißvoll und erhaben sein. Also ist eine fremde, todte Sprache für die Andacht der Gläubigen nicht nur nicht hinderlich, sondern sogar förderlich. Und keine Sprache ist mehr mit Majestät und reicher Melodie ausgestattet, als die Lateinische, aus welcher noch der weltbeherrschende Römer zu sprechen scheint. Wie würde sich so manche neuere Sprache, etwa die Englische oder Französische, als Kultus­sprache ausnehmen?

Für die Lateinische Kirchensprache stimmt ferner der

1) ,, Legem credendi statuit lex supplicandi", erklärt der hl. Papst Cölestin I. in seinem Dekret an die Semipelagianer vom J. 431, cap. 11. V. Denzinger, Enchiridion, ed. 3, p. 33.

2) Du Pape, liv. 1, ch. 20, p. 325, éd. Migne.