Die Kirche und ihre Sprache.
Launen der letztvergangenen Jahrzehnte nicht festgehaltert hätte? Man lärmte und flagte über Kleben am Veralteten. Und was geschah? Fünfzig Jahre vergingen, und die Neuerer sind veraltet und außer Kurs. Aber die Liturgie ist geblieben, was sie war, ewig jung und ewig schön.
Die Lateinische Kirchensprache ist für's zweite begründet im Wesen der Liturgie selbst.
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Einheit und Allgemeinheit ist das Gepräge der Kirche und muß sich in gewisser Weise auch in der gottesdienstlichen Sprache finden. Soll mit den Landesfarben und Nationalitäten zugleich der Ritus wechseln? Man weiß, wie gefährlich dies ist. In Rußland entstand eine neue Sefte, weil man eine andere Aussprache des heil. Namens Jesu einführte, da man sich durch näheres Studium des Griechischen von der Falschheit der bisherigen Aussprache überzeugt hatte. Im nämlichen Rußland gelang es dem Czar Nikolaus, die unirten Ruthenen von der Kirche wieder loszureißen und zum Schisma zu zwingen. Wäre es ihm geglückt, wenn die Ruthenen etwa die Lateinische Kirchensprache hätten? Man sette an der Polnischen Kirche kräftige Hebel an, aber ihr Lateinischer Ritus bildete ein unübersteigliches Hinderniß. Jedermann ermißt, wie nahe beisammen die Landessprache im Gottesdienste und die Schwindeleien mit Nationalkirchen liegen. Die Verschiedenheit der Sprache fettet sich an den Thurmbau von Babel, ist also ein Nachwehe unseres Falles; und es ist löblich, wenn die Kirche durch die Allgemeinheit ihrer Sprache die Kluft zwischen den Völkern ausfüllt und jedem ihrer Kinder in den katholischen Tempeln der weiten Welt eine traute Heimath bereitet. Bei dem immer lebhafteren Völkerverkehr ist eine gleichmäßige Kirchensprache ein wahres Bedürfniß und auch ein heilsames Gegengewicht gegen die Engherzigkeit des heutigen Nationalitätsfanatismus. An jeden Altar der Welt kann der in's Ausland reisende Priester treten, wie in der eigenen Gemeinde; sonst in jeder Beziehung ein Fremdling, kann er doch als Diener desselben Ritus nie Fremdling werden.
Eine weitere Eigenschaft der Liturgie ist feste Dauer nebst Schärfe und Bestimmtheit des Ausdrucks. Hiezu aber ist eine todte Sprache geeigneter, als eine lebende, der beständigen Fluthung und Fortbildung unter
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