Druckschrift 
Das Buch der Kirche vom Palmsonntage bis zum weißen Sonntage, oder Die Charwoche [Karwoche] und Osterwoche mit allen ihren gottesdienstlichen Handlungen, Lateinisch und Deutsch, nebst Erklärung der dabei vorkommenden Ceremonie / von G. M. Pachtler
Entstehung
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Die Kirche und ihre Sprache.

finden. Man liebte die Kirche und darum auch ihre Sprache. Fußte ja die ganze Bildung des Abendlandes auf Römischer Literatur. Oder sollte die Liturgie menschlicher Laune unter­worfen werden? Fast zwei Jahrtausende haben ihr den Stempel apostolischer Weihe und ältesten Adels aufgedrückt; voll Majestät entfaltete sie sich in den Basiliken der christ­lichen Bürger des Römerreiches und in den schlanken Domen des Mittelalters, wie unter dem bescheidenen Laubdache des Missionärs, welcher am fernen Gestade zum ersten Male, nicht mehr den Götzen das Opfer der Verwerfung, sondern dem wahren Gott das Opfer des Heiles darbringt. In dieser Sprache erbauten und erkannten sich unsere Ahnen als Kinder derselben Kirche; ihrer bedienten sich die abend­ländischen Kirchenväter, die Kirchenversammlungen, die Päpste, die theologische Wissenschaft, die Gelehrtenwelt. Und ist hohes Alter eine Ehre für jede Liturgie, so dürfen wir uns rühmen, daß unsere Lateinische die älteste der Welt ist.

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Bei dem ewigen Wechsel menschlicher Einrichtungen ist es ein wohlthuender Gedanke, daß die Kirche ihre Meßord­nung mit so zarter Gewissenhaftigkeit bewahrte. Das einst so bedeutungsvolle Ite, missa est! womit der Diakon vor der Opferung den Katechumenen und den Büßern der dritten Klasse gebot, die Versammlung zu verlassen, war nicht mehr nothwendig, als die Länder christlich und die Bußordnung milder geworden war. Aber verloren gehen durfte es dennoch nicht. Und so entläßt jetzt der Diakon mit denselben Worten die versammelte Gemeinde am Schlusse der heil. Messe. Die zweite Nokturn enthält an Heiligentagen die Lebensgeschichte des verklärten Himmels­bürgers in äußerster Kürze. Und trotzdem gilt eine kleine Zuthat zum Meß- Kanon für so wichtig, daß sie in diesem kurzen Lebensabrisse, selbst der thatenreichsten Päpste, einzeln aufgeführt wird. So lesen wir von dem heil. Gregor dem Großen am 12. März, daß er in den Kanon die Worte diesque nostros in tua pace dis­ponas( ordne unsere Tage in deinem Frieden); von dem heil. Leo dem Großen am 11. April, daß er sanctum sacrificium, immaculatam hostiam( dieses heil. Opfer, diese unbefleckte Gabe) einschaltete. Was wäre aus dem Wunderbau der Liturgie geworden, wenn Rom gegen die

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