Die Kirche und ihre Sprache.
Landessprache in der Hl. Messe eingeführt, und Alles laut vorgetragen werden.
6
Selbst in neueren Konkordaten dringt der hl. Stuhl auf Beibehaltung der Kirchensprache; so im Bayerischen vom 5. Juni 1817, nach welchem die Erzbischöfe und Bischöfe nicht verhindert werden sollen, insbesondere auch darüber zu machen, daß in den kirchlichen Verrichtungen, vorzüglich aber in der Hl. Messe und in der Verwaltung der Sakramente, die kirchlichen Formeln in Lateinischer Sprache gebraucht werden.') In einer Audienz am 10. Juli 1852 sprach sich Papst Pius IX. gegen den berühmten Kanzelredner Pater von Ravignan, aus der Gesellschaft Jesu, mit den Worten aus: Ich will nicht, daß ein Bischof nach Belieben ein Meßbuch oder ein Brevier machen kann."") Was wäre erst zu sagen, wenn einfache Priester es wagten? Man werfe uns nicht ein, daß Rom den neubekehrten Mähren im neunten Jahrhunderte die Meßfeier in Slavonischer Sprache gestattet habe. Die Apostel Mährens, die hh. Cyrillus und Methodius, sahen nämlich wohl ein, daß das Christenthum festen Halt bei jenem Slavenstamme nur dann bekomme, wenn man dem Nationalgefühle das Zugeständniß der Slavonischen Kirchensprache mache, und wagten, wozu die Umstände nöthigten. Sie erregten aber auch im übrigen christlichen Abendlande großes Aufsehen, so daß der hl. Methodius 879 sich persönlich in Rom vertheidigen mußte und endlich bei Papst Johann VIII. die Genehmigung seiner Liturgie unter der Bedingung erwirkte, daß das Evangelium zuerst in Lateinischer, hernach in Slavonischer Sprache gesungen werde. 3) Und wenn später Papst Innocenz IV.( 1243-1254) in derselben Sache erklärte: Der Inhalt steht über der Sprache, nicht die Sprache
11
1) Pro regimine dioecesium:
,, Archiepiscopis et Episcopis id omne exercere liberum erit, quod in vim pastoralis eorum ministerii.. competit ac praesertim.. invigilare, ut in ecclesiasticis functionibus, praesertim autem in Missa et in administratione Sacramentorum, Ecclesiae formulae in lingua Latina usurpentur.
2) P. A. de Ponlevoy de la Comp. de Jésus; vie du R. P. de Ravignan. Paris 1860. 8. Tom. II., p. 249 et 250.
3) Die Stelle aus dem päpstlichen Schreiben bei Alzog, Universalgesch. der christl. Kirche. 7. Aufl. S. 432. Bei Manji tom. XVII, p. 182.


