Die Kirche und ihre Sprache.
Süden und Westen verirrte Geister gegen die im Laufe der Jahrhunderte geheiligte Liturgie und kirchliche Sprache. Die Sturmvögel krächzten das Nahen der Französischen Revolution. In der katholischen Hofkirche zu Stuttgart wurde der Anfang mit sogenannten Meß- und Abendmahlsanstalten in Deutscher Sprache gemacht; wenige Jahre darauf hat einer der Urheber eine blutige Berühmtheit im Elsaß erlangt und zu Paris auf dem Hochgerichte geendet. Gleiche Bestrebungen zur Verdrängung der Kirchensprache zeigten sich auf der Aftersynode zu Pistoja 1786.
Doppelt war das Verlangen: es sollte einmal die Lateinische Sprache, dann aber auch die ganze Gottesdienstordnung der Kirche und später noch Weiteres ändert werden.
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Wirklich legte man in manchen Gegenden auch an die Liturgie der Charwoche in Meßbuch und Brevier Hand an. Ähnlich hat an den Meisterwerken mittelalterlicher Baukunst die Geschmacklosigkeit späterer Zeiten gesündigt. Neue Metten und Laudes wurden erfunden. Die dreitausendjährigen Psalmen des königlichen Sängers wurden theils ausgemerzt, theils in vier bis fünffüßige Jamben zerschnitten und nagelneu gekleidet. Weichen mußten die Klagelieder des Propheten Jeremias, welche er einst sang auf den Trümmern der so hoch erhobenen und so tief gestürzten Gottesstadt; an ihre Stelle traten Moralgedichte, deren Verfasser zum Glück unbekannt blieben. Das tiefinnerliche Leid der Kirche, getheilt mit ihrem blutenden Erlöser, ihre selige Ofterfreude zugleich mit dem Auferstandenen, war nicht mehr zu finden, wohl aber künstliche Thränen und Wortfreude im Überflusse.
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Gott sei Dank! Diese Gelüste haben, nachdem sie in den vierziger Jahren die ganze Hefe der Lächerlichkeit geleert, durch die Führung der Vorsehung ihr Ende erreicht. Was aber für die Wissenschaft und Öffentlichkeit todt ist, mag mitunter noch seine stillen Gönner zählen, und so ist es gewiß nicht nuklos, wenn man sich auch in diesem Punkte seine Grundsäße nach dem Geiste der Kirche und der Wahrheit bildet.
Die Lateinische Kirchensprache ist einmal gerechtfertigt durch die Aussprüche der lehrenden Kirche.


