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Die Kirche und ihre Sprache.
Theil der Soldaten bekannte sich zum wahren Glauben, aus den Standquartieren wurden Städte, und Mehrere der neuen Ansiedler waren Christen; ja für Glauben und Leben war im rauhen Norden größere Sicherheit, als in der Nähe des kaiserlichen Verfolgers. So entstanden die alten Bisthümer Mainz, Trier, Köln, Augsburg, Lorch an der Donau. Die Sprache bei der Feier der Geheimnisse war natürlich die Lateinische. Viele der jungen Gemeinden wurden im Sturme der Völkerwanderung wieder zertreten. Als nun die Glaubensboten, besonders die hh. Wilibrord und Bonifacius, bei den alten Deutschen anlangten, brachten sie nebst dem Evangelium auch Rom's Liturgie) und Sprache mit, und verlangten von den Zöglingen des Priesteramtes die Erlernung der Kirchensprache als Vorbedingung zu den Weihen. Wie wäre es auch nur denkbar gewesen, die erhabenen und geistigen Gedanken des christlichen Glaubens und der hl. Andacht in die rohen, wortarmen, ja schriftunfähigen Sprachen der wilden Jäger und Krieger zu kleiden? Seit Jahrhunderten hatten die vollen Klänge der Römischen Sprache unseren Vorfahren an Herz und Ohr getönt, man hatte sich so ganz und gar hineingelebt selbst in die kleinsten Theile der Liturgie; man kannte und sang mit dem Chore die kirchlichen Psalmen, Hymnen, Antiphonen, Versikel; der Gottesdienst war eine Festfreude und ein Herzensbedürfniß geworden; der Vater prägte ihn dem Gedächtniß des heranwachsenden Sohnes ein; die Bedeutung der Ceremonien zu wissen, war eine Ehrensache: als mit der Glaubensspaltung des sechzehnten Jahrhunderts die Neuerer auch die Sprache der alten Mutterkirche abschafften und haßten.
Dies berührte aber die Treugebliebenen nicht. Im Gegentheile bereitete die Kirchenversammlung von Trient einen neuen und freudigen Aufschwung des christlichen Geistes. Die Trienter Verordnung, daß die Priester dem Volke die kirchlichen Gebete und Ceremonien erklären sollten, war von den heilsamsten Folgen. Da erhoben sich, wiederum zu einer unglückseligen Zeit, um's Jahr 1780, im Deutschen
¹) Liturgie im engeren Sinne ist die Meßordnung, d. h. die bei Darbringung des Hl. Opfers vorgeschriebenen Gebete und Ceremonien; im weiteren Sinne, der ganze Gottesdienst mit Einschluß der priesterlichen Tagzeiten, Spendung der Sakramente, kirchlichen Segnungen.
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