Druckschrift 
Das Buch der Kirche vom Palmsonntage bis zum weißen Sonntage, oder Die Charwoche [Karwoche] und Osterwoche mit allen ihren gottesdienstlichen Handlungen, Lateinisch und Deutsch, nebst Erklärung der dabei vorkommenden Ceremonie / von G. M. Pachtler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Kirche und ihre Sprache.

heiligste Sakrament; es entflammt die Geister mit jener opferwilligen Liebe, welche die Welt überwindet.

Kein Theil des Kirchenjahres macht einen tieferen Ein­druck auf den Menschen, als die Tage vom Palmſonntage bis zum weißen Sonntage. Mit gespanntem Auge verfolgt schon das Kind die heiligen Ceremonien, auch es versteht am besten diese Allen zugängliche Sprache. Und darum liebt es so innig den erblaßten Heiland, dessen Bild es in den Händen des Priesters sieht. Und ich frage jeden Er­wachsenen: wer hat je diese beiden Wochen mit seiner Kirche gefeiert, ohne innerlich erneuert zu werden? Haben doch alle Gebete und gottesdienstlichen Handlungen der Kirche eine innere Kraft, welche den Gläubigen mit Gnaden aus­stattet und zum Himmel erhebt.

2

Im zartesten Wehe ringt die Braut am Schlachtaltare ihres göttlichen Bräutigams, die Kunst ihrer Liturgie in den Leidenstagen ist unübertrefflich, sie ist das Werk des heiligen Geistes. Sind endlich die Jammerrufe der mit­leidenden Liebe verflungen, so müssen wir dieselbe göttliche Kunst in der Osterfeier bewundern; wir werden fortgerissen von jenem Freudensturme, welcher den Gottesdienst des Katholiken in der Osterzeit zu einem Vorspiele des himm­lischen Jubels macht.

Gestehen wir es aufrichtig ein, wir verdanken den größten Theil heiliger Eindrücke in der Char- und Oster­woche der Kunst der Kirche, den Gottesdienst zu feiern. Man denke sich an der Stelle des jetzigen Kultus etwa Betstunden, und wären sie auch von den größten Meistern, was bliebe noch?

Wer hätte es aber erwarten sollen, daß selbst dieses Wunderwerk angegriffen würde, nicht von außen, sondern von den Kindern des Hauses, ja von den Dienern des Heiligthums! Es gibt Zeiten, in welchen man Alles, nur nicht sich selbst verbessern will, gleichwie Geisteskranke die ganze Welt für thöricht, sich selbst für die einzigen Ver­nünftigen halten. Da muß sich das unbeugsame Christen­thum nach den Launen der Menschen biegen und seinen Gottesdienst nach dem Geschmacke wechseln. Dieses Be­nehmen widersprach vor Allem der Geschichte.

Die ersten christlichen Kirchen unseres Deutschen Vater­landes bildeten sich an den Militärstationen der Römer. Ein