Die Kinshs und ihre Sprachs.
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ie Kirche drückt Allem, was sie in die Hand nimmt, eine himmlische Weihe auf. Aus den Händen der Natur empfängt sie den Menschen, richtet den Gefallenen auf, heilt seine Wunden und erhebt ihn zur Schönheit der übernatürlichen Ordnung. Bedarf sie eines Geschöpfes, so weiht sie es zuvor durch ihr Segenswort für das göttliche Reich. Durch wenige Worte bringt sie in den zwei edelsten Erzeugnissen der Pflanzenwelt, dem Waizen und dem Weine, das Wunder der Wesensverwandlung zu Stand.
Auch die dreihundertfünfundsechzig Tage des Sonnenjahrs hat sie durch die Großthaten der Erlösung und Heiligung vergeistiget und in das Strahlenmeer des Reiches der Gnade getaucht. Darin aber finden wir eine Stelle, wo sich das Licht am brennendsten sammelt, so daß es seine Strahlen wirft hinaus bis an die Gränzen der Erde und zu den fernsten Geschlechtern, und hinein in's Innerste des Menschen, daß es erwarmt und aufthaut, glaubt und anbetet, hofft und liebt.
Das Herz des Kirchenjahrs ist die Char- und Osterwoche. Welche Fülle von Geheimnissen in den vierzehn Tagen! Die Schauer des Glaubens durchrieseln uns beim Gedanken an das namenlose Übel der Sünde, welche durch ein solches Opfer gesühnt werden sollte. Und doch eine beseligende Hoffnung! Er hat uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben. Mit blutigen Schrift: zügen hat er uns in seine Hände gezeichnet; er wird uns nicht verlassen, wenn nicht wir ihn vorher verlassen haben. Der neue Bund ist in dem kostbarsten Blute errichtet, Bundeszeichen ist das heilige Kreuz, Unterpfand das allerPachtler, Buch der Kirche.
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