Belehrungen.
Gelegenheit dar, an einem Freudenfeste im Schooße deiner Familie, oder im Kreise deiner Studiengenoffen Theil zu nehmen, so erfreue dich im Herrn, sei fröhlich und genieße das Gute, das Liebe und Freundschaft dir bietet, doch mit Maß und Vorsicht, ohne die Schranken der Bescheidenheit und Mäßigfeit zu überschreiten, oder der Würde eines christlichen Jünglings zu vergessen.
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§. 3. Vor der Unlauterkeit.
Eine natürliche Frucht des Müßigganges und der Unmäßigkeit ist die Unlauterkeit. Ihr Keim liegt schon in der verdorbenen Natur des Menschen, sproßt aber nirgends üppiger hervor, als in dem Boden eines müßigen Herzens, und findet nirgends reichlichere Nahrung, als im unmäßigen Genusse geistiger Getränke. Dies bezeugt der heilige Geist durch den Mund seines Propheten; dies lehrt die traurige Erfahrung aller Tage, indem wir sehen müssen, daß Niemand schneller und gieriger nach dem Becher der Wollust greift, als die müßige und in Folge des Genusses geistiger Getränke aufgeregte Jugend. Weh aber dem Jünglinge, der sich vom Reize der Lust verführen läßt, aus diesem Becher zu kosten! Er ist im Begriffe, ein Gift zu trinken, das auf die schmerzvollste Art Leib und Seele tödtet; er täuscht sich jammervoll, wenn er glaubt, die Wollust werde seines Herzens Sehnsucht stillen. Nein, nie und nimmer kann sich das Herz mit dem befriedigen, was den Sinnen schmeichelt; denn es ist für Gott erschaffen, und findet nur Ruhe in Gott. Statt der Befriedigung, die der Unglückliche zu finden hoffte, bemächtigen sich seines Herzens Sie schrecklichsten Gewissensbisse. Umsonst wird er sich hin und herwenden, um Ruhe zu suchen; nirgends wird er sie finden; denn er ist von einem


