Wovor der studirende Jüngling sich zu hüten habe. 9
würdigt und bei Trinkgelagen so viele schöne Stunden verschwendet, denen oft noch Tage folgen, an welchen er zur Arbeit und zum Studiren unfähig ist. Ferner belehrt dich die Erfahrung, daß Un= mäßigkeit auch noch ein Mord des Leibes sei. Wenn auch die eiserne Gesundheit der Jugend durch solche Ausschweifungen nicht gleich zu Grunde gerichtet wird, so ist es doch gewiß, daß die Unmäßigkeit eine fruchtbare Mutter vieler schmerzhaften und gefährlichen Krankheiten ist: denn sie untergräbt, wenn auch langsam, doch sicher die Fundamente des stärksten Körpers, weil Alles, was unnatürlich, auch Feind der Natur und Zerstörer derselben ist. Wir sehen es täglich, wie sie schon früh ihre Opfer fordert, und ihre Sklaven auf schmerzvollem Krankenlager jammervoll dahin fiechen läßt. Die Leichenhöfe zeigen mehr als einen Grabeshügel Solcher, die wie Palmen blühten und stark waren wie junge Cedern, aber von der Unmäßigkeit unerwartet ins Grab geworfen wurden. Meide daher, christlicher Jüngling, dieses schädliche und ehrlose Treiben, das dich so tief entwürdigt und unfähig macht, deine hohe Bestimmung zu erreichen; meide ein Laster, dessen Folgen Unwissenheit, Zeitverschwendung, ekelhafte Ausschweifung und schändliche Unzucht sind; fliehe vor ihm als vor dem Ruin deiner Unschuld und deines Glückes, deinem Todtengräber und deinem Grabe. lebe dich daher in der Mäßigkeit, die dir blühende Gesundheit und feste Kraft verleiht, die Thätigkeit und den Aufschwung des Geiftes befördert, und eine Stütze der Weisheit und Sittlichkeit, eine Freundin jeglicher Tugend ist. Liebe die Mäßigkeit, wenn du die Keuschheit liebst; denn durch sie hast du Freiheit, Kraft und Macht, den Angriffen der Versuchung zu widerstehen; Liebe fie, wenn du die schuldlosen Freunden dieses Lebens lange und ungestört genießen willst. Bietet sich je
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